Kurz noch ein Foto von den Schildern in der Metrostation:
Klar, alles bekannt - bei uns ist das alles, mit Ausnahme der Ballons und Tiere, auch verboten, aber ich finde die Schilder gut :D
Ich bin dann zur dem Trommelturm am nächsten liegenden Metrostation gefahren um mich von dort aus dem Turm anzunähern. Das Problem war diesmal ausnahmslos Googlemaps. Die Entfernung ist ja nicht so schlimm - von der Station zum Turm ca. 2km - aber der Turm war einfach nicht mitten auf der Kreuzung, wie Google das gesagt hat.
Auf dem Weg zwischen Haltestelle und vermeintlichem Turm habe ich auch, wie so oft, einfach Fotos von unwichtigen Dingen gemacht. Hier einfach nur eine völlig normale, uninteressante Szene in Nanjing. (Ich find die Ampeln cool, die einem zeigen, wie viele Sekunden sie noch rot oder grün ist)
Ich hab den Turm überhaupt nicht gefunden - nichtmal in näherer Umgebung - aber dafür ihn hier:
(ja, da ist ein Hakenkreuz unter dem Adler)
Das gibt mir Anlass, einen kleinen Chinesenkurs einzufügen:
Die Chinesen, das weiß ich von Dongdong, lernen in Geschichte über den Zweiten Weltkrieg nämlich ausschließlich Dinge über diesen in Asien. Das ist ja auch absolut nicht verwerflich - so machen wir das schließlich auch! Ich habe (trotz Leistungskurs Geschichte) auch immer damit leben müssen, dass der Zweite Weltkrieg 1939 begann. Dass die Japaner schon 1937 in China einmarschiert sind und damit den Krieg begonnen haben, spielt irgendwie keine Rolle - generell hat kaum etwas außerhalb Europas eine Rolle gespielt. Maximal die Teheran-Konferenz. Klasse... nicht einmal der Afrikafeldzug wurde thematisiert. Da fragt man sich, wieso man so etwas Leistungskurs nennen darf!
Im Übrigen hat die Sowjetunion bereits 1938 in der Mongolei interveniert um die japansichen Truppen dort zu vernichten - das war übrigens einer der Auslandseinsätze des späteren Marschalls G.K. Shukow (musser gleich rumprahlen, dass er ein Buch gelesen hat :D). Sind also schonmal mindestens zwei Kontinente involviert gewesen...
Es ist also gar nicht verwunderlich, dass hier einige mit Hakenkreuzen rumrennen. Klar, man kann natürlich auch sagen: Die Swastika hat hier ne andere Bedeutung, blablabla - Ja, prinzipiell stimmt das. Die ist dann aber nicht um 45° (oder π/4 Bogenmaß :D) gedreht, auf einem Eisernen Kreuz oder unter einem Reichsadler und normalerweise steht dann auch nichts dabei wie "1939" oder "21st Pz Division"...
Ich frage mich, was der mit der 21. PzDiv hat. Die war im Afrikakorps und später in Frankreich eingesetzt. Hat wahrscheinlich auch gar keine weitere Bedeutung.
Das ist in meinen Augen aber genau das gleiche, wie wenn die Leute bei uns die japanische Kriegsflagge hissen - und davon gibt es ja leider auch genügend. Keine Ahnung von Geschichte haben, aber sich ja knorke aus, wie?
Jedenfalls hab ich mir dann gesagt: "Vergiss den Turm, geh zur Yantze Bridge". Also bin ich die Straße weitergelaufen. So lange, bis ich endlich am Yangtze River (Jangtsekiang) war. Drittgrößter Fluss der Welt, ne? Gut, liegt halt hier in der nebligsten Stadt der Welt - nach allen Städten in England, dewegen kann man das andere Ufer auch nur sehr sehr schwierig erkennen.
Die Aussicht vom einen Ende der Brücke:
Die Brücke bzw. der Weg zur Brücke, der schon wie eine Brücke gebaut war (Leitplanke, Straße nicht überquerbar, etc.), hat schon einige Kilometer vorher angefangen. Dabei kamen ununterbrochen diese Rollerfahrer entgegen - zwei oder drei hatten sogar Benzinroller! Umweltverschmutzer, ihr! Die ganze Zeit - ich war eigentlich nur am Ausweichen. Die fahren ja auch nicht langsam. Wozu auch? Haben doch ne Hupe!
Bei der geringen Auflösung sieht man nicht ganz so gut, wie lang dieser Weg ist.
Am Anfang der Brücke gab es auf jeder Straßenseite eine Art kleiner Aussichtsplattform. Kostet sogar Geld, da hochzugehen. Ich habs auch gemacht. Man sieht zwar etwas besser, allerdings vor allem Nebel. Ist aber schon beeindruckend groß der Fluss, und die Brücke auch. Verkehr ist ohne Frage auch genügend vorhanden...
Was man an Länge nicht so gut auf dem Hinweg erkennt, erkennt man besser von der Aussichtsplattform:
Ich hab da ein bisschen Pause gemacht und bin dann wieder zurückgelaufen. An einer Weggabelung hab ich mir gedacht: "Jetzt haste keine Lust mehr, gehste direkt zum Bahnhof". Also auf zum Bahnhof!
Auf dem Weg habe ich ein Feuerwerk gesehen - das fünfte innerhalb der letzten 48 Stunden. Ich sag ja, die sind hier ne Ecke schlimmer als Neubiberg.
Cool find ich auch das Gebäude nebenan. 50 Prozent Glas und neu, die andere Hälfte alt und räudig.
Ich also durch die ganze Stadt gegurkt und habe hier und da Fotos geschossen. Irgendwann kam ich an einem Schild vorbei, auf dem Metro stand. Ich habe wieder Googlemaps (den Blödmann) aktiviert und geguckt, was weiter weg ist: Der Bahnhof oder die Metrostation. Beides ungefähr gleich weit entfernt... Aber hier hab ich ein Schild - da kann man sich nicht mehr verlaufen :D
Also bin ich von meiner Route abgewichen und zur Metro gelaufen. Auf dem Weg habe ich mir Waffeln gekauft.
Ich habe gefragt, wieviel die kosten. Ich war erstaunt, als der Mann Daumen und Zeigefinger gehoben hat - zwei Yuan nur? Und dann fiel es mir wieder ein: Die Chinesen zählen ja anders... Ich weiß das zwar, aber ad hoc fällt es mir noch nicht ein. Ich weiß auch, dass Daumen und Zeigefinger Acht bedeuten... (Daumen und kleiner Finger 6 und 7,9 und 10 sehen anders aus) - schon schick, dass die mit einer Hand bis Zehn zählen können - ich kann an einer Hand bis 2^5 = 32 zählen. Eigentlich kann ich die Basis noch um mindestens zwei erhöhen, sodass ich auf mindestens 4^5=1024 kommen würde - aber das ist alles andere als intuitiv...
Egal, genug der Mathematik, ich hab die 8 Ocken bezahlt und mich meiner Straßenwaffeln erfreut. War nichtmal wenig.
Die Station war übrigens die zweite nach meiner Ausgangshaltestelle - ich habe für den Trip auch nur ca. 13-15km Fußmarsch hingelegt - mit Gepäck - kann ich mir den für nächstes Jahr anrechnen lassen? War auch mehr Gepäck als sonst, glaube ich :D
Endlich beim Bahnhof angekommen, bin ich ins Ticket Office gesprungen und habe den Englischschalter gesucht - is nich. Klasse. Ich hab mich also irgendwo angestellt und Dongdong angerufen. Der sollte also übersetzen. Hatter aber so auf die schnelle nicht verstanden - war auch laut - Bahnhöfe sind immer laut, besonders in China. Jedenfalls war er aufeinmal weg. Ich wollte nochmal anrufen, aber irgendeine Chinesin hat wohl sowas gesagt, wie "Geht nicht" - vielleicht hat sie mich dabei beleidigt - davon muss man ausgehen. Aber Dongdong hat zurückgerufen, war jedoch kurze Zeit später wieder weg. Das Handy war nämlich leer.
Das bringt mich dazu, etwas über Chinas überaus unschönes Mobilfunksystem zu erzählen:
Hier bezahlt man nämlich, wie in Europa auch, Roaminggebühren. Ich verstehe das in Deutschland. Wenn ich in die Schweiz fahre, muss ich natürlich mehr bezahlen - die schweizer Mobilfunkanbieter haben ja wenig Lust darauf, den Deutschen über ihre Netze telefonieren zu lassen - generell haben die Schweizer ohnehin wenig Lust, etwas für Deutsche zu machen... Jedenfalls bezahlt man dann für ein- und ausgehende Daten enorm viel Knote. Ähnlich ist das in China auch. Nur ist China kein Kontinent, sondern ein Land. Und hier bezahlt man in jeder Provinz Roaminggebühren, was dazu führt, dass man für weniger als 5MB und zwei Telefonate locker mal 50 Yuan (6,18€) bezahlen kann...
Und wenn der Angerufene nicht bezahlen kann, bekommt er natürlich auch keine Anrufe mehr - das ist ja logisch - er wäre dann ja nur ein Parasit.
Da steh ich nun, ich armer Tor! Zum Glück konnte die Frau ein bisschen Englisch (gut, Shanghai heißt auf Chinesisch auch Shang hai und sie ging davon aus, dass es der nächste Zug sein soll...). Ich hab ein Ticket für den nächsten Zug bekommen: In 15 Minuten fährt der auch schon. Das war nun problematisch.
Erstens: Ich wusste nicht, wo die Gleise sind (sieht man nicht direkt - die Bahnhöfe sind hier etwas größer, als in Bielefeld... - auch größer als München und Berlin).
Zweitens: Als ich herausgefunden habe, wo es langgehen könnte, stand ich in einer Schlange. In dieser konnte ich wenigstens die vernebelsmogte Skyline Nanjings fotografieren:
Rechts ist meine Tüte dabei - die wollte wohl unbedingt berühmt werden.
Drittens: Nach der Schlange kam noch die obligatorische Sicherheitskontrolle. Oh Gott! Zum Glück interessiert sich hier keiner richtig für seinen Job und das ganze geht ziemlich fix. Da alle gerannt sind, bin ich einfach mal mitgerannt - vielleicht gewinne ich ja. Da ich nichtmal wusste, wo mein Zug steht, war ich sogar darauf angewiesen, der Masse zu folgen. Heißt auch: Ich kann nicht gewinnen, ich weiß ja nicht, wo es lang geht.
Wie dem auch sei - alle sind erwartungsgemäß zu meinem Zug gerannt und alle kamen auch noch pünktlich an.
Auf der Fahrt nach Hause habe ich noch mein Buch zuende gelesen. Aber ist nicht schlimm. Ich hab ja zwei mitgenommen, wohlwissend, dass eins zu wenig sein wird.
Endlich war ich wieder in Shanghai. Ich bin aus dem Bahnhof gekommen und wollte über den Platz laufen, auf dem ich mich einst verlief. Da fielen mir zwei Polizisten auf, die vor dem Bahnhof standen. Waren nicht diese Standardpolizisten mit Golfautos - eher die SEK-Version. Ist vermutlich auch der Grund, weshalb der da mit einer Schrotflinte stand...
Ich bin jedenfalls zur Metro gestiefelt. Ich habe gehört, die Chinesen fänden uns Europäer widerwärtig, weil wir oft schwitzen. Gut, liebe Chinesen, ich hoffe, ihr schwitzt auch. Ansonsten würde die shanghaier Metro nämlich wirklich nach Urin riechen und nicht nach Schweiß... In Nanjing war das nicht ganz so krass - das bewegt mich zu der These, dass die ganzen Europäer schuld am Geruch in der Metro sind :D
Auf meiner Stube angekommen, musste ich feststellen, dass ich keinen Strom hatte. Was zur Hölle?! Ich also ab zur Rezeption und gesagt, mein Strom ist weg. Da hat die Frau geantwortet: "Für wieviel wollen sie denn neuen kaufen?" - O.o' - Prepaidstrom sagste, ja? Gut, verhindert natürlich, dass die ganzen asozialen Ausländer hier den Strom verschwenden - ist klug. Solltense aber vielleicht auch die Miete verringern, wenn man nichtmal Strom inklusive hat.
Naja, ich hab erstmal für 60Yuan bezahlt (7,42€) - soll bei meinem aktuellen Verbrauch 20 Tage halten.

Ich spare jetzt Strom! - Lüfter im Bad? Wer braucht sowas, wenn er die Tür öffnen kann? Licht im Bad? Wer braucht sowas, wenn er die Tür öffnen kann? :D Für 60 Yuan bekomme ich drei von diesen Tongji-T-Shirts. Von denen habe ich mir heute eins gekauft. Die Qualität ist allerdings nicht so gut, wie die des Pullis, den ich mir gekauft habe. Ich spiele mit dem Gedanken, noch einen Pulli zu kaufen :D Auf der anderen Seite kann ich auch nicht nur mit Tongjiklamotten rumrennen :D
Deine Tüte ist ja ne Süße :D
AntwortenLöschenSoone lange ... Brücke. Ganz toll. Trotz Nebel gut eingefangen; dafür klare Sicht in Geschichte, na ja, aber da nicht ganz so klar.
AntwortenLöschenDafür ne Tüte Nebelluft aus Nanjiing mit nach Shanghai. Ersetzt leider nicht den Strom. Prepaidstrom ist aber ne riskante Angelegenheit, wie Du nun selber feststellen mußtest. Bist gerade beim Duchen und der Strom is alle...tolle Fiction...
Die Sache mit den Geldfingern ist exzellent!!!