Sonntag, 28. Oktober 2012

Reise nach Nanjing - Oder: Tag 26

Heute habe ich einen Frisörtermin. Dongdong und noch ein Deutscher gehen mit mir zum Frisör. Gut, eigentlich gehen nur die Deutschen zum Frisör und Dongdong übersetzt, technisch betrachtet, gehen wir allerdings alle zusammen... 1230 hatte Dongdong gesagt! Gut, dann werde ich spätestens um dreiviertel Zwölf meine Arbeit im Labor einstellen.
Wie gestern schon propheizeit: Das mit dem seriellen Interface sollte keine Schwierigkeiten bereiten. Ich hatte recht. Kurz vor meiner Abmarschzeit gelang alles, was ich mir vornahm. Das war zwar nur eine Funktion, die, anstatt einzelner Zeichen, ganze Strings über das Interface schickt, aber sowas will ja auch erstmal gemacht werden. Ich frage mich zwar, wieso der Hersteller keinen Just auf solche Funktionen hat, ist aber auch peng, weil es ja jeder fix runterschreiben kann. Problematisch war eher, zu eruieren, wo denn bitte die TX- und die RX-LED auf dem Board sind. Ich hab keine entdeckt - aber da die Zeichen auf meinem Computer ankamen, gehe ich stark davon aus, dass der Datentransfer geklappt hat - auch ohne Transferindikatoren in Form von LEDs.
Das ganze eröffnet mir jetzt sogar die Möglichkeit, Variableninhalte zu debuggen - juhu! Hab ich zwar nicht gebraucht, aber lieber haben als brauchen!
Das Interface ist natürlich Bedingung für das Tracing. Damit geht es allerdings erst nächste Woche los!

Ich konnte also beruhigt einpacken und essen gehen. Kurz vor dem Fahrstuhl ruft Dongdong an und sagt, dass sie jetzt gegessen hätten und zum Frisör gehen könnten. Toll! Gut, aus dem Essen wird nichts... Egal, dafür Haare schneiden - für 25 Yuan (3,10€) - ist schon der etwas bessere Frisör. 10 Yuan (1,50€) sind wohl eher normal. Ich als dekadenter Europäer kanns mir ja leisten. Erst noch die Sachen auf Stube verstaut und ab gehts.
Dort ersteinmal die Haare gewaschen bekommen - für den Preis will man ja auch was verlangen können. Und dann wurde gefragt, was der Europäer denn gerne hätte. Dongdong hat alles erklärt und schon hat der Frisör, der mich irgendwie an ein Streifenhörnchen erinnert hat, losgelegt. Er hat irgendwie etwas angestrengt geguckt und die Zähne glichen denen eines Nagers - könnte auch ein Eichhörnchen oder Hamster sein...
Trinkgeld ist hier ja nicht so üblich - gab natürlich auch keins. Ist ja auch genug Geld, wa? Ich könnte hier noch vier weitere Male zum Frisör gehen, bevor ich Münchener Verhältnisse ohne Wäsche erreiche. Allerdings sind die hier recht zaghaft, was das Abschneiden angeht. Keine Ahnung ob es daran liegt, dass ich mit soner Matte angerockt bin (und die davon ausgingen, dass ich son Langehaaretyp bin) oder ob die einfach Schiss haben, dass die zu viel abschneiden und die Deutschen das tun, was sie am besten können: Aggressiv schimpfen. Machen wir uns nichts vor: Deutsch klingt für Ausländer immer aggressiv - Nicht, dass das bei Chinesen oder Russen anders wäre, aber vielleicht spielen da noch weitere Vorurteile mit ein. Bei Chinesen muss ich allerdings sagen, wenn die Schimpfen, klingt das eher wie das Gejaule eines kleinen Mädchens. (Gibt da vielleicht auch Ausnahmen?!)

Dongdong ist anschließend gleich pennen gefahren - generell pennen die Chinesen immer und überall. Die Frau an der Rezeption liegt auch immer aufm Tisch. Der Typ, der Gäste registrieren soll, pennt auch fast immer. Im Zug sowieso und von dem Taxifahrer hab ich ja auch schon erzählt...
Ich brauchte ersteinmal etwas zu essen. Da die Mensen mittlerweile geschlossen hatten, hab ich mir eine Packung Kekse geholt. Die dritte Variante des Herstellers:



Ist allerdings auch die, die am wenigsten schmeckt. Nicht dass sie schlecht schmeckt, aber die anderen sind besser. Aber die sind wieder genauso effizient verpackt - die müssen da Arbeiter für haben, sowas macht doch keine Maschine, oder?!

Auf Butze hab ich die letzten Feinheiten meines Nanjingtrips geplant. Googlemaps, Sehenswürdigkeiten, etc. Alles aufs Handy gezogen und dann noch die Bude gewischt - hab ja keine Putzfrau hier.
Anschließend mein Marschgepäck zusammengestellt, in den Rucksack verpackt und zum Bahnhof gefahren.
Der Bahnhof ist natürlich auch gut geregelt. Auf dem Bahnsteig ist keine Action, bis der Zug kommt. Alle Leute warten nämlich in einer Wartehalle darauf, dass die Züge kommen und werden dann erst zum Bahnsteig gelassen - so kann es zumindest schonmal nicht vorkommen, dass einer von einem Zug erwischt wird. Im Zug wird auch nicht kontrolliert - man kommt ja ohnehin nicht ohne Fahrkarte in den Zug.



Nach über einer Stunde war ich auch in Nanjing. War irgendwie hart neblig dort auf dem Bahnsteig. Ahne, war nur Regen... Regen! Gut, darum kann ich mich nicht kümmern. Ich sollte vielleicht ersteinmal einen Schlafplatz suchen. Hab ja nichts gebucht :D Also erstmal in die Metro. Viel Auswahl gibt es ja nicht - gibt schließlich nur zwei Metrolinien, in dieser kleinen Provinzstadt mit fünfeinhalbmillionen Einwohnern... Krass, Berlin hat ein bisschen mehr als die Hälfte der Einwohner und ist nicht so stark von den Buslinien abhängig. München betrachte ich aufgrund fehlender Größe schon gar nicht mehr...
Nanjing war übrigens öfter mal die Hauptstadt von China. Z.B. in der Ming-Dynastie. Allerdings auch während der Republik. Erst die Kommunisten haben Beijing wieder zur Hauptstadt erklärt - 1949, als die Volksrepublik gegründet wurde. Die Republik (also die Jungs, die nach Taiwan abgehauen sind) sieht in Taipeh auch nur eine Übergangshauptstadt und in Nanjing die wahre Hauptstadt...
Ich bin jedenfalls irgendwo in einer Metrostation rausgepurzelt und an die Oberfläche gekrochen - mitten in die Dunkelheit und den Regen. Klasse Einstieg, Nanjing! Erstmal Lage ausloten und gucken, welches Hostel ich zuerst ansteuere. Ok, das hier. Ich bin zu einer Art Fußgängerzone gekommen. War aber irgendwie keine normale Fußgängerzone - es standen ca. 20 Busse davor. Alle mit Chinesen befüllt. Kann am Konfuziustempel in der Nähe gelegen haben. Die Straßen waren aber auf alle Fälle voll. Ich bin erstmal im Kreis gelaufen und habe das Hostel gesucht. Lt. Karte ist das hier irgendwo. Ah - da stehts ja: International Youth Hostel. Kann man leicht übersehen - das Gebäude ist ja auch maximal fünf Meter breit. Zum Glück können die da Englisch. Ich glaube 120 Yuan + 100 Yuan Pfand habe ich für zwei Nächte bezahlt - 14,84€ und 12,36€ :D Noch bezahlbar.
Erstmal die Sachen ablegen und die Stube besichtigen:



Eine gute alte Viermannbude. Zwar nur halb so groß, wie die Viermannbuden, die ich von der Bundeswehr kenne, aber dafür auch anderthalb mal so groß, wie die Zweimannbuden, die ich dort schon erlebt habe. Sie war mit vier Betten, drei Spinden und zwei Steckdosen und nun auch mit einem Deutschen ausgestattet.
Jetzt aber ersteinmal die Gegend erkunden. Mich durch die Fußgängerzone wühlend, habe ich also folgendes in nächster Nähe gefunden: Konfuziustempel, KFC, McDonald's, Fakemarkt. Ich habe mir erlaubt, eine Packung Pommes bei KFC zu probieren - eine weitere Premiere: Ich habe vorher noch nie bei KFC gegessen. Danach dann über den Markt geschlendert und geguckt, was dort im Angebot ist. Generell ist ja immer alles im Sonderangebot... War aber der erste, bei dem ich Teleskopschlagstöcke entdeckt habe - waren sicherlich auch noch die ganzen anderen Dinge dabei, die man sonst von den tschechischen Grenzmärkten kennt - Wurfsterne, Messer, Schwerter, etc.pp.
Auf diesem Fakemarkt gibt es auch Haustiere. Hunde, Katzen, Kanninchen, Hamster, Schildkröten - eigentlich alles. Sehen auch putzig aus. Sind halt nur immer viele in einem Käfig.



Zurück im Hostel erstmal Zähnchen putzen. Ich habe noch einen meiner Zimmergenossen kennengelernt - apropos Zimmergenossen: International Youth Hostel sagste, ja? Komisch, dass ich der einzige International hier bin... allet Chinesen hier... Aber ist ja kein Problem - ich hab ausgemacht, mit ihm zum Nanjing-Massaker-Museum zu gehen. Dann habe ich ihn noch gefragt, wann er da hin möchte und wann ich aufstehen solle: "Joa zwischen 6 und 7 wär topp" hatter ungefähr gesagt.

Gut, er hat auch gesagt, ich bräuchte mir keinen Wecker stellen - ich könne doch aussschlafen. Klar, ist ja Urlaub, wieso auch früh aufstehen...

Die Matratze ist übrigens für alle Betten die gleiche - männlich wie immer, aber nicht ganz so sehr, wie die an der Uni.

3 Kommentare:

  1. Die armen Tiere :(
    Ich will am liebsten so ein Hündchen retten :(

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  2. ....und wieder einStart ins Computerchinesisch. Hauptsache, alle LED blinkern wie verrückt. Du kriegst das hin, auch wenn die chinesische Haarschur etwas zu knapp über die Kopfhaut kribbelte!
    Super Hotel... Echt Jugend(herbergs)stil! Aber das mit den Bahnhöfen ist originell.
    Fakemarkt mit Tieren? So was wie Flohmarkt hier (lol)???
    Also früh raus dann für weitere Streifzüge.Ich bin gespannt.

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