Sonntag, 14. Oktober 2012

Touritour 2.1 - Oder: Tag 14

Heute ging es also weiter mit meiner Shanghai-Touritour. Als erstes stand der Gründungsort der KPCh auf dem Plan.
Ich habe also geguckt, wie ich da am schlausten hinkomme und mich, obwohl ich den ganzen Tag unterwegs war, nur einmal verlaufen - ich werde so langsam echter Chinese.
Beim Haus angekommen fragte ich die Frau am Kartenschalter, was der Eintritt kostet - es gab schließlich Eintrittskarten, aber nirgendwo eine Preistafel. Der Eintritt war frei - aber man braucht ein Ticket!! Nunja. Das Haus ist zu einem Museum umgestaltet worden. Sieht alles gut gepflegt und sauber aus. Erinnerte mich vom Flair her an das Museum in Karlshorst  (ist ja auch ein Haus zum Museum umgebaut).





Hier ein Foto aus der Eingangshalle:


Interessant auch, dass man hier noch einen Sicherheitscheck machen muss (Taschenscan, etc.) - aber bei der Metro interessiert es keinen, wenn man keine Lust auf den Sicherheitscheck hat - im SWFC gibts sowas gar nicht... Die haben Prioritäten hier - die Terroristen :D
Viel Text, viel Chinesisch, ein bisschen Englisch dabei. Im Prinzip wurden alle Versammlungen der KPCh kurz angesprochen. Ich habe hier mal ein Foto von einem Foto von der Versammlung 2011 (das mit Hammer und Sichel ist vielleicht ein bisschen oldschool...):



Zusätzlich gibt es noch ein paar Exponate vom Anfang des 20. Jhd. Z.B. eine Polizeiuniform und Utensilien zur Bekämpfung Ungehöriger - Schlagstock, Gummiknüppel, etc. Erinnert ein bisschen an die SA.
Interessant war, dass die Szene mit Hilfe von Wachsfiguren dargestellt wurde - Fotos durfte man nicht davon machen. Aber ich habe ein Foto von einem Foto davon - und ein verschwommenes Foto von den Figuren - musste ja schnell gehen.







So mega spektakulant war das nicht, deswegen bin ich anschließend zum Longhua-Tempel gefahren. Der war schon eher was. Große Tempelanlage mit vielen Leuten und noch mehr Figuren.





(Oh Gott, eine Swastika!)

Dazu auch viele Touri-Chinesen, die die Gelegenheit ergriffen haben und gebetet haben - ihr seid keine guten Kommunisten!
Aber spendabel waren sie:



Da liegen 1-Yuan-Scheine - sind 12 Cent.
Aber irgendwann war es dann nur noch: "Oh ein weiterer Raum mit weiteren Figuren... Man... Das wird ja nie langweilig...". Also bin ich, nachdem ich alles fotografiert hab, wieder abgedampft. Ich wollte nicht denselben Weg zurück zu Station nehmen - der war wirklich sehr lang! - und hab mir gedacht, dass dort noch eine andere Station näher sein muss. War irgendwie nicht so. Aber ich hab auf dem Weg was anderes interessantes gefunden: Eine wehende Chinaflagge. Ich find das irgendwie immer schick, wenn die wehen. Deswegen fotografier ich das öfters. Zumal die hier auch so viele Flagge haben - ist in Deutschland leider nicht so. (Also nicht chinesische Flaggen...)

Wie dem auch sei, ich wollte wissen, wieso da eine Flagge so alleine mit dem Wind spielt und bin, den Bettlern ausweichend, zum Mast gegangen:




Aha! Mal gucken, was sich dahinter verbirgt - steht ja nicht auf dem Plan.
Das ganze war ein riesiger Park mit Denkmälern, wie sie auch gut sowjetischer Herkunft sein könnten.


In der Mitte wieder ein Museum mit einigen Exponaten. Mit diesem Park wurden die "Märtyrer der chinesischen kommunistischen Bewegung" geehrt. Ich hab mir also die Zeit genommen und alles angeguckt (und fotografiert). Sieht auch wieder alles sehr gepflegt aus. Die scheinen sich solche Plätze eine Menge kosten zu lassen. Macht aber einen guten Eindruck. Auch viele Blumen und so.
Und dann bin ich fast vom Glauben abgefallen. Da war sie, eine Wiese - fast ganz ohne Menschen. Wie kann das sein, dass hier in der Shanghai Patriotic Promotion Site so wenig Chinesen sind? Ihr seid keine guten Kommunisten! Das hab ich als meine Chance gesehen, mir eine Bank gesucht und ersteinmal ausgeruht und mein Marschgepäck um etwas Wasser und ein paar Kekse erleichtert.


Später ging es weiter durch den Park, an Grabsteinen vorbei, durch einen Tunnel hindurch zu einem Gefängnisgebäude. Hier mal zwei Fotos davon:

Sieht schon alles eng und zusammengepfercht aus. Gut, die brauchen vielleicht auch nicht so viel Platz. Aber trotzdem: Eng und zusammengepfercht!

Dann kam ich noch zu dieser Statue:



Man sieht deutlich die kleinen Kinder, den Kommunismus mit Füßen tretend, auf der Statue klettern. Ihr drei werdet riesige Schwierigkeiten haben, später in die KPCh einzutreten! Ihr seid keine guten Kommunisten! Das schlimme daran war eigentlich, dass die Jungs den Rasen betreten mussten, um auf die Statue zu kommen. Zumindest hatte es den Anschein, weil die Gärtner erst ausgerastet sind, als die Jungs wieder auf dem Rasen rumgelaufen sind... Und die Chinesen klingen fast immer überaus unhöflich und böse. Aber da muss man dann auch genauso asozial antworten, dann freuen die sich.

Als ich dann an einem Ausgang vorbei kam, dachte ich mir: "Da biste doch schonmal gewesen.... Stimmt! Auf dem Hinweg zu dem Tempel biste hier vorbei gekommen". Also den Park dort verlassen und ca. die Hälfte des Weges zur Station gespart.

Als nächstes ging es zur Kathedrale. Mittlerweile kann ich mich ja gut anhand der Himmelsrichtung hier orientieren. Die Sonne sieht man zwar nicht so oft, aber dafür stehen auf den Straßenschildern eigentlich immer die Himmelsrichtungen. So bin ich auch unversehrt zur Kathedrale gekommen. Ist nichts aufregendes - ist halt ne Kirche - auf der anderen Seite ist die Kirche in Shanghai, was sie wieder irgendwie besonders macht. Dachten sich die Chinesen wohl auch - warum sonst standen gleich zwei Hochzeitsgesellschaften davor und haben offensichtlich auf ihre Hochzeit gewartet? Generell gilt: Immer wenn ich unterwegs bin, sehe ich Hochzeiten - das war bestimmt die vierte oder fünfte heute - und ich bin erst zwei Wochen hier...
Drinnen siehts aus, wie in jeder Kirche - ich sehe da jetzt keine großen Unterschiede...



Deswegen bin ich dann auch weiter gefahren: zum Jadebuddhatempel. Hier musste man, um zum Kartenschalter zu kommen, ersteinmal die ganzen Bettler mit ihren körperlichen Gebrechen überwinden. Als ich drin war, dachte ich mir: "Sieht aus, wie der andere Tempel. Ich stelle fest: Alle Tempel in China sehen gleich aus." Vor allem waren auch die gleichen Figuren drin...
Highlight war der Jadebuddha, der dem Tempel seinen Namen gibt. Für diejenigen, die nicht zum Jadebuddhatempel gehen, um Jadebuddha zu sehen, ist natürlich gesorgt. Die müssen nämlich nicht dafür bezahlen. Alle anderen dürfen dann innerhalb des Tempels nochmal 10Yuan berappen... Die ziehen einem das Geld aus den Taschen, wo es nur geht :D
Nunja, schlimmer ist, dass man von dem Kollegen kein Foto machen darf. Stehen auch gleich zwei Aufpasser dabei. Wie soll ich mir jetzt merken, wie der aussieht??
Aber dafür hatten dir dort wenigstens ein paar Fische:





Das war auch schon die letzte Station, nach der es nach Hause ging.

Aber ich habe noch einige Kleinigkeiten bzgl. meiner Analyse der Chinesen:
Alle Chinesen benutzen IMMER die Rolltreppe. Egal, ob es hoch oder runter geht, egal, ob kurze Wege oder lange. Die stehen auch Schlange dafür. Es ist enorm selten, dass sich ein Chinese auf die Treppe verirrt. Und auf der Rolltreppe laufen die auch nicht mehr, sondern warten. Als müssten die nicht schleunigst zur Arbeit o.ä....
Und dann war gestern offensichtlich chinesischer Nagelschneidetag. Also zu Hause ist es nicht normal, wenn die Frau, die neben dir in der Metro sitzt, einen Nagelknipser herausholt und loslegt. Ist dann auch nicht schlimm, wenn der eine oder andere Nagel durch die Bahn flitzt... War auch nicht die einzige - muss eine Art Feiertag sein - jedenfalls hab ich gestern in einem Park ein ähnliches Szenario erlebt...
Weiterer Nachbrenner zu gestern: Im 94. Stock des SWFC war ein kleiner Junge, der mit den Absperrbänden (wie man sie vom Flughafen kennt) gespielt hat (die, die man ineinander einhaken kann und die man aus der Stange rausziehen kann... ist aber auch eigentlich egal für die Story). Jedenfalls hat der Vater das bemerkt und dem Jungen zu verstehen gegeben, dass er aus dem abgesperrten Bereich verschwinden solle. Der hatte da wohl wenig Just drauf und hat weiter gefummelt. Dann kam noch ein Angestellter dazu, der den kleinen Jungen weggeschoben hat.... Daraufhin ist dieser völlig ausgerastet und hat den Angestellten geschlagen (wie das kleine Kinder nunmal machen :D) War dem Vater hart peinlich - und der Angestellte war auch sichtbar wütend auf den Bengel. Aber das schlimmste an der Story ist, dass ich das nicht aufgenommen hab. Sowas kommt ja immer so plötzlich...

3 Kommentare:

  1. Vorsicht: die Zellen sind frei für schlechte Kommunisten. lol
    Nee alle Kirchen und Tempel ähneln sich so oder so. Trotzdem prunkvoll diese Buddhaverehrung. Erstaunlich nur die christlichen Kirchen inmitten der Buddhawelt. Und da wird fleißig geheiratet? Dann sei mal vorsichtig, Gulliver!

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  2. Zu den 1 Yuan: Wenn jeder von den 1Mrd. Chinesen(oder noch mehr) 1 Yuan gibt reichts doch wieder :D

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    1. Gibt ja noch gute Kommunisten - die beten dann natürlich auch nicht, insofern ist dein absoluter Fehler in der Annahme ziemlich hoch :D

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