Donnerstag, 18. Oktober 2012

Lehrstuhleröffnung - Oder: Tag 17

Heute ist Mittwoch. Mittwochs ist Luketag, denn Mittwochs ist Luke immer an der Uni (hat ja auch noch Verpflichtungen hier). Heute wollte ich wieder arbeiten, koste es, was es wolle. Ich habe mir also, nachdem ich um 0300 aus dem SOHO kam, den Wecker auf sportliche 0827 gestellt. Muss reichen.... Hat es nicht.... Ich bin also wie geplant um 0910 aufgestanden. Kurz nach alltäglicher Hygiene hat es an der Tür geklopft. Vollsuff-Arne wollte mich zur Eröffnung des Zeiss-Lehrstuhls abholen - stimmt, ganz vergessen.
Wir also rüber ins CDHK - ich stand zwar nicht auf der Liste, aber das wohl kein Problem. Bin ja Europäer - oder die sind einfach flexibel. Genau wie mit der Startzeit: Wenn da 1000 steht, heißt das genau nicht um 1000. Nunja, wir wurden ersteinmal auf die Randplätze verdammt. Das sind die, die keine Coladosen vor sich auf dem Tisch stehen hatten. Welcher Tisch denn auch?? Ich habe mich also erkundigt, ob ich auch eine bekäme - war auch kein Problem, es wurde für alle überpünktlich Anwesenden (d.h. ausschließlich die Deutschen) eine Runde Cola spendiert.
Mir kam allerdings etwas dazwischen - ich wollte doch eigentlich meinen Code compilen. Das ist jetzt wichtiger - deswegen bin ich für eine halbe Stunde (oder so) nach unten geflitzt und habe Luke meine Probleme geschildert. Der wusste natürlich auf Anhieb, wo das Problem liegt (ich hätte sicherlich Monate gebraucht, um darauf zu kommen. Wer erwartet auch schon, vom Hersteller generierten Code ändern zu müssen?!). Also übersetzt, hochgeladen (ich verstehe nicht, wieso im Manual immer die Rede von "download" ist - gut, Betrachtungsweise und peng. Jeder weiß was gemeint ist.) und ausprobiert: Klappt perfekt. Es lag also nicht direkt an meinem Code!
Das ganze noch mit einem Oszilloskop nachgemessen (brauchte dafür erstmal ne Einweisung, studiere ja keine Elektrotechnik - bin schon froh, dass ich weiß, was ne LED ist) und bestätigt bekommen: Ja die LEDs, die dauerhaft leuchten, leuchten nicht dauerhaft sondern im 1ms- bzw. 10ms-Takt (gut, ein Fehler könnte aufgrund etwaiger Timingprobleme zu völlig nicht korrekten, aber dennoch sehr kurzen Takten führen). Wie geplant. Ausgezeichnet.

Fix bedankt, verabschiedet und zurück zur Eröffnungsfeier. Ein bisschen über die Geschichte von Zeiss erfahren und am Gewinnspiel teilgenommen - aber nix gewonnen - dafür auch nichts verloren. Danach gab es nämlich Essen - womöglich der einzige Grund, überhaupt an der Eröffnung teilgenommen zu haben - wenngleich ich positiv überrascht war. Mittlerweile waren übrigens auch Chinesen dort - und nicht zu knapp. Aber auch nach mir kamen noch einige - ich war ja auch erst eine halbe Stunde zu spät.
Aber egal, zurück zum Essen: Es gab Buffet - richtiges europäisches Essen. Man, hab ich das vermisst (nach meinen zwei Wochen... - ist übrigens das erste, was ich im Ausland immer vermisse). Es gab Rind, Huhn, Schwein, Schrimps, Pilze, Kartoffelsalat, ich wiederhole: Kartoffelsalat (hatte zwar wenig Geschmack, aber Kartoffelsalat) und noch einiges mehr. Willkommene Abwechslung und auch sehr lecker. Es gab sogar Messer und Gabel. Die Chinesen wissen zwar nicht so hundertprozentig, wie man die benutzt, aber das gibt es in Deutschland ja auch - und da ist es wesentlich peinlicher. Messer in der linken Hand oder in überhaupt keiner, etc. Aber ich habe gehört, das soll bei den Indern noch schlimmer sein. Die nutzen ja überhaupt kein Besteck und sind dementsprechend auch völligst überfordert. Naja, Besteck ist abhängig von der Küche und da wir gerne Steak essen, brauchen wir auch Messer und Gabel. Wenn man nur kleingehexeltes Hühnchen isst, klappt das mit den Stäbchen auch ganz gut. Das Problem ist, dass die das wohl wirklich einfach nur hexeln - so viele Knochenstücke in ein Kubikzentimeter großen Fleischstückchen habe ich noch nie erlebt.
Im Gespräch mit einem anderen Deutschen (Name ist mir entfallen, kann mir nicht alles merken) habe ich dann auch erste kritische Äußerungen über China gehört. Sei froh, dass ich kein Agent bin, mein Lieber!
Z.B. hatte er gesagt, dass die Chinesen immer so weltoffen täten, aber immer unter sich bleiben würden. Sehe ich jetzt nicht so - ich werde hier öfters angesprochen und soll irgendwohin mitgehen oder mit auf Fotos. Und dass die Chinesen im Ausland ihre Landsleute aufsuchen ist völlig normal. Die Deutschen machen das hier ja genauso. Die ganzen anderen sind auch immer in ihrer Nationalcrew unterwegs. Soll ja sogar Leute anderer Nationen geben, die schon über Generationen in einem anderen Land leben und immernoch nur unter sich bleiben und nicht die Landessprache sprechen... Aber Deutsche müssen sich immer über alles beschweren. Darüber muss ich mich an dieser Stelle mal beschweren.
Aber er hatte recht damit, dass das CDHK-Gebäude wesentlich älter aussieht, als es ist. Könnte aus den 60ern sein - ist aber vielleicht maximal 20 Jahre alt. In China baut man also nicht langfristig, aber dafür schnell. Das Ding stand bestimmt auch nach drei Wochen. Zur Expo hatten die Shanghaier ja auch drei neue U-Bahnlinien (wohlgemerkt Linien, nicht Stationen) gebaut - innerhalb von einem Jahr oder zwei oder so. Bei uns braucht wahrscheinlich der Typ, der für die Genehmigung zuständig ist, schon ein Jahr um seinen Otto darunterzusetzen.

Wieder zurück auf Butze habe ich mich meines Stuhls angenommen. Ich habe ja zwei Stühle hier - ist ja auch eigentlich eine Doppelbude - beide halbkaputt. Ich hab das ganze dann dahingehend verändert, dass der eine Stuhl nun völlig nichtmehr zu gebrauchen ist (aber äußerlich noch heile aussieht, was wohl für die Ausreise essentiell sein wird - nicht dass ich die Zerstörungen anderer noch in der Inneren Mongolei abarbeiten muss) und der andere tadellos ist.

Da das Wetter noch recht gut war und ich für meine weiteren Aufgaben keines Internetanschlusses bedurfte, habe ich mich entschlossen draußen zu arbeiten. Ist auch mal ganz angenehm. Allerdings ist das Wetter hier auch so langsam am Umschwenken. Morgens sieht es kühl aus und dann schwitze ich nach 100 Metern mit ner langen Hose und abends scheint die Sonne, ist aber relativ kühl und man friert im T-Shirt. Grund genug, sich wie eine Mimose auf Stube zu verziehen - so langsam stehen die Leute in Deutschland ja auf und ich kann E-Mails empfangen/schreiben.

Heute habe ich mir auch eine Waschkarte besorgt und gleich eingesetzt. Geile Sache - Die Waschmaschinen ca. 400 Jahre alt, aber wichtig ist, dass man auch hier RFID verwendet. Ich finde, man sollte das ganze jetzt nur noch mit Smartphones erlauben oder zumindest alles auf eine Karte setzen... in einem zentralistischen Staat muss das möglich sein, dass ich mit meinem Ausweis Metro fahren, Türen öffnen und Wäsche waschen kann! Haben die so etwas wie ein kontinuierliches Verbesserungsprogramm in der KPCh? Vielleicht sollte ich mal einen Feature-Request schreiben - oder mündlich zur Niederschrift aufgeben...

4 Kommentare:

  1. Die Waschmaschine sieht sehr schäbig aus :D Aber wenigstens ist der eine Stuhl nicht mehr halb schäbig :D

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  2. Das erste was du vermisst is also das essen, soso ;) Ich hätte da jetzt was anderes erwartet :D
    Immerhin schaffens die Chinesen ihre Zeitpläne beim Bau einzuhalten :D

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    1. Naja in der Regel bin ich ja nicht mehr alleine im Ausland - da gibts dann keinen Grund, was anderes zu vermissen ;)

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  3. Luke ist aufgeschlagen und schon läuft die Chose; gut für den Bachelor, wenn ihm alle LED angehen.
    Buffett mit Messer und Gabel... und ohne zerkratzes Gesicht! Man kannste stolz sein mit vollem Magen. Selbst hier beherrscht so mancher nicht das Zusammenspiel von Messer und Gabel. Und Stäbchenessen verhindert nun mal nicht ein Knöchelchenfeuerwerk.
    Beschwer Dich doch, das tun eben alle Deutschen im Ausland. Man bedenke nur, als Deutscher in Afrika: Huch sind alles nur Schwarze!!!!!!! Beschweren.....!!!
    Hahaha Waschmaschine...sieht fast so aus wie aus Schwarzenberg (DDR) 1970...hoher Wiedererkennungswert! Wäscht sie! Oder soll sie gut aussehen?
    Ran an die BachelorBuletten

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