Sonntag, 28. Oktober 2012

Ein Tag im Labor - Oder: Tag 24

Heute war ich um 0930 mit Luke verarbredet - Debuggingsession. Ich bin also um 0920 am Bestimmungsort gewesen und habe gewartet. Als Luke kam, haben wir auch sofort angefangen. Im Endeffekt lief auch alles gut - nach ca. einer Stunde war der Fehler gefunden. Wie erwartet lag das Problem eher an der Kooperationsunfähigkeit der Software, aber naja, ich nehme die Schuld mal auf mich :D
Ich habe dann den Auftrag bekommen, eine Präsentation (Powerpoint! :-/ ) zu schreiben, die beschreibt, wie ich mein Beispiel zum Laufen bekommen habe und welche Fixes nötig sind, um die ganze Kiste zu starten - es sind einige! Einfach Example aus dem Manual schreiben und ein bisschen adaptieren reicht da jedenfalls nicht...
Damit habe ich auch länger verbracht - Powerpoint ist da ja wenig komfortabel, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Deswegen haben wir auch kurz eine Mittagspause gemacht. Wie echte Chinesen um ca. 1100. Mittlerweile bin ich schon im Chinarhythmus drin - alle drei Stunden kommt der Interrupt durch den Magen und mit einer Priorität von 10. Die entsprechende Routine wird natürlich auch gleich "gecallt" - ich gehe essen. Heute gab es, nachdem ich ja einen Chinesen dabei hatte, der chinesischer war als ich, Schweinefleisch. War auch in Ordnung. Dazu Gemüsezeug (bestelle ich auch manchmal) - keine Ahnung, was das war, aber wohl kein Tofu - das hätte heute wohl nen anderen Interrupt ausgelöst...
Anschließend war ich also wieder mit meiner Präsentation beschäftigt, da wir mittlerweile schon auf eine Antwort des Softwareentwicklers warten müssen - das bedeutet also, dass selbst Luke keine Lösung für das nächste Problem hatte. Kann man sich vorstellen, wie mit Beschwerden. Wenns beim ersten mal nicht klappt, einfach nochma ne Ebene höher beschweren. Hat das keinen Erfolg, wiederhole den letzten Schritt (Rekursion!! Definition von Rekursion: s. Definition von Rekursion)

Als ich fast fertig war, kam Dongdong - er wusste wohl sofort, dass ich der Neue bin - keine Ahnung, wieso. Nunja, ich hab ihm dann erstmal all das gezeigt, was ich bisher gemacht hab, sodass er sich einarbeiten kann. Hat auch ganz gut geklappt. Allerdings gingen wir dann bei ihm auf dieselbe Fehlersuche, wie bei mir bisher - hat auch lange gedauert...
So lange, dass wir eine Pause zum Abendessen eingelegt haben. Das habe ich für mich als Chance gesehen, die beiden nach der Geschichte mit dem lebenden Affen in der Mitte des Tisches, dem man den Schädel öffnet, um dann sein Gehirn zu löffeln, zu fragen. Sie kannten zwar keine derartige Praxis, konnten es allerdings auch nicht hundertprozentig ausschließen. Allerdings ist sowas in China verboten - d.h. sowas kann es nicht geben. So! Die Story kennt man übrigens schon in China - bin wohl nicht der erste, der das fragt :D Und ich hab mir auch sagen lassen, dass Katze nicht so schmeckt.

Ich habe übrigens meinen westlichen Namen abgelegt :D Mittlerweile bin ich Féng Lǐ Xī - zumindest laut meiner StudentID. Féng ist wohl computergeneriert und damit nicht sofort klar ist, dass ich nicht aus China stamme, ist es auch einer der Namen, den die meisten Chinesen tragen - quasi einer der chinesischen Schmidts, Meiers, Müllers... - ist übrigens auch der Nachname (steht hier ja vorne) - klar, ne? Man sagt ja auch nicht Lehrer Wong, sondern Wáng lǎoshī.

Ich bin ja nun nicht der erste von meiner Uni hier - so habe ich heute z.B. erfahren, dass einer meiner Vorgänger wohl einigen erzählt hat, dass die Regierung seine E-Mails mitlese, etc. Falls du mitliest: Hast du paranoider Freak schonmal was von Verschlüsselung gehört? Es gibt da verschiedene Varianten: Verbindung, Festplatte, Swappartition, einzelne Dateien, ganze Container, Passwörter - ganz viel Auswahl. Ansonsten hilft auch mal das eine oder andere Passwort... Aber gut, von solchen Leuten gibts in Deutschland ja auch genügend - klar, dass man die dann exportieren kann. Aber alles in allem hinterlassen wir hier wohl einen guten Eindruck - ich hab auch nicht vor, der Combobreaker zu werden.

Eine Flugverbindung nach Xi'an habe ich auch schon geortet. Mal sehen, dass ich die günstig bekomme. Der Zug bräuchte ja 24 Stunden pro Tour - kann ich mir nicht leisten. Bekomme ich schon gebacken. Ich plane, das nächste Woche abzuwickeln. Außer, Nanjing hinterlässt einen schlechten Eindruck!

Um 1900 hatten wir das Problem bei Dongdongs Blingbling auch behoben und ich konnte beruhigt nach Hause gehen. Dongdong musste natürlich noch lernen... Deutsch. Ist ja auch keine schöne Sprache zum lernen muss ich zugeben.
Mein Tag endet mit Wäsche waschen und Butze aufräumen - gibt zwar keinen Stubendurchgang, aber sieht halt immer behernert aus, wenn alles kreuz und quer liegt - kenne ich ja von Zuhause, wenn wieder keiner aufgeräumt hat...

Fotos gibts diesmal nicht.

2 Kommentare:

  1. Litschi, du könntest ja auch mal aufräumen! Die letzten Wochen hattest du gar nichts gemacht :O

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  2. Debuggen... Dongdong... ja das ist China. Klingt also echt Computerchinesisch Herr Feng Li Xi! Der LitschiGeist aus der Flasche kommt nun auch über Powerpoint Blingbling und hinterläßt arg verschlüsselte Spuren für die Regierung. Weiter so mit den Erfolgen.

    Bin gespannt auf Nanking/Nanjing

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