Was ist chinesisches Frühstück? Jiǎozi - aber gedämpft! - sind ja nicht in Shanghai! Dazu zwei sesambrötchenähnliche Gebäcke. Die gibt es in süß und herzhaft. Meine herzhafte Variante war mit irgendeinem Gemüsezeug gefüllt, das dem ganzen etwas salziges gab. Das war schon lecker, aber sehr trocken. Keine Ahnung, wieso ich der einzige war, der was trinken musste...
Wie ist man Jiǎozi richtig? Man muss die aufmachen - z.B. mit dem Mund (aber Vorsicht: is heiß!). Dann kippt man von der braunen Soße darein und schlürft diese dann gemixt mit dem Fleischsaft heraus. Klingt nicht lecker und die Soße ist auch eigentlich nur Essig, aber kann man schon essen.
Ich habe mittlerweile auch den Namen des Chinesen erfahren - hab ihn aber wieder vergessen. Ist nunmal so, mit Namen, die nicht aus der eigenen Kultur kommen - irgendwie stellen die oftmals ein Hindernis dar, obgleich sie oftmals einfach sind. Spielt aber auch keine Rolle - dazu dann aber gleich noch mehr.
Jedenfalls ist er 36 und arbeitet auf einem Flughafen im Nordosten Chinas (Ecke ist mir wieder entfallen). Deswegen kann er auch reisen. Er bekommt nämlich pro Jahr drei Flüge geschenkt.
Jetzt aber los zum Museum. Nein doch nicht. Erst noch durch die Fußgängerzone und Fotos machen. Zum Beispiel von den Toren, die den Eingang zur selben markieren oder, wie hier, vor einem - ich hab keine Ahnung was das ist... sieht aber gut aus.
Jetzt wo der Europäer dabei ist, gibt es ja auch Fotos mit einem selbst drauf.
Aber nun wirklich los. Auf Richtung Metro!
Dort habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, dieses Schild hier zu fotografieren:
Mir kam sofort die Idee zu diesem Meme hier:

Wenn man hier rechts oben auf den Smiley klickt, passiert irgendwann wohl irgendwas:
http://9gag.com/gag/5704607
Hier hat ja jeder, der etwas zu sagen hat, oder auch nicht, eine Uniform mit Dienstgrad. In Nanjing habe ich allerdings das erste Mal Leute mit eichenlaubähnlichen Dienstgradabzeichen gesehen - in Gold! Einen dieser Generale hat mein Chinese auch irgendetwas gefragt. Daraufhin sind wir doch nicht mehr Metro gefahren, sondern mit dem Bus gefahren! War auch günstiger und wir wurden direkt vor dem Museum rausgeworfen. Für 2 Yuan (24 Cent) kann man auch nicht meckern. Die Metro hätte locker 3 Yuan (36 Cent) gekostet! Vor allem hätte sie aber auch länger gebraucht. Und bei den Bussen hier ist es auch kein Problem, zu spät zu kommen. Der Busfahrer ist meistens bereit auch 100m nach der Station nocheinmal anzuhalten und die Tür zu öffnen.
Endlich im Museum - welches natürlich kostenlos ist - in die Schlange eingereiht. Ist zwar kostentlos, aber die Chinesen sind ja nicht blöd - würde man die Besucherzahl nicht einschränken, wären kurzerhand alle Katakomben der Gedenkstätte überfüllt. Reicht ja schon, wenn alles andere ständig mit Chinesen zugestellt ist. Aber ist auch mal ganz entspannt, in einem Land zu sein, bei dem das Gros der Touristen mal nicht aus Engländern oder Russen besteht, die einfach nur laut sind oder die Hälfte des All-Inclusive-Buffets auf den Teller packen, um das meiste dann wegzuschmeißen. Also mein Tipp, an diejenigen, die davon zuviel haben: China bietet da eine Menge Abwechslung. Allerdings hat die andere Klientel auch ihre Macken.
Das Museum erinnert, zumindest an der Oberfläche, sehr stark an die Konzentrationslagergedenkstätten bei uns - alles irgendwie immer grau mit wenig zu sehen. Mag ja sein, dass das Intention ist, ist aber nicht das, was ich sehen möchte. Unter der Erde wird es allerdings schon interessanter. Viele Fotos und Texte - man kann gut und gerne sechs Stunden dort verbringen, wenn man die Ausdauer dazu hat.
Fotos von der Oberfläche:
Hier ist die Unterschrift etwas wie: "Sie haben sogar meinen drei Monate alten Enkel getötet"
Unten standen natürlich, trotz Beschränkung, unzählige Menschen. Ist ja kein Problem, haben ja auch das Recht, hier zu sein. Aber muss der Opa denn unbedingt furzen? Hat auch irgendwie keinen gestört, außer mir - scheint auch hier nicht so übel genommen zu werden, habe das nämlich schon öfter hier erlebt - ihr Ferkel!
Es sind natürlich auch viele Fotos von den Opfern zu sehen. Im Gegensatz zu den deutschen Museen sieht man hier allerdings die ungeschönte Wahrheit. Hier nur ein Beispiel:
Ein abgeschlagener Kopf auf einer Barrikade an der Stadtgrenze. Die Zigarette haben ihm die Japaner erst nach der Köpfung in den Mund gesteckt...
Solche Fotos sind vielleicht ein Grund, nicht gerade Kindergartenkinder in das Museum zu schicken. Aber solche Grundsätze gibt es hier offenbar auch nicht. Dient wohl der Erziehung im Sinne des Kollektivs :D Aber die haben sich alle an der Hand gehalten, damit keiner verloren geht!
Im ersten Raum habe ich auch direkt meine chinesische Begleitung verloren. Diese hat sich sicherlich gedacht: "Wenn der Europäer weiterhin so langsam liest, komme ich nie durch. In der Zeit hätte ich schon 23 Fotos von 167 verschiedenen Personen gemacht..." Das war dann auch der letzte Zeitpunkt, an dem ich ihn gesehen habe... Ich hab ja gesagt, dass der Name nicht so wichtig ist...
Ich war also wieder auf mich alleine gestellt. Kein Problem. Ich hab mir alles weiter in Ruhe angesehen. Es wird nicht nur auf das Nanjingmassaker eingegangen. Es wird generell der Kriegsverlauf (vor allem in Nanjing) dargestellt. Die Luftangriffe, die systematische Ermordung, die "gelegentlichen Massaker", aber auch die Experimente mit biologischen und chemischen Kampfstoffen an der Zivilbevölkerung (allerdings wohl nicht in Nanjing) und noch weitere, "kleinere Massaker" in anderen Orten. Natürlich gibt es auch Fotos davon.
Es gibt allerdings auch Gegenstände, die die Soldaten bei sich hatten.
Hier z.B. eine japanische Flagge:
Und hier ein Nässeschutz, der in der Armee aus Sichuan wohl Gang und Gäbe war:
(ich glaube, da bleibe ich lieber bei meiner Variante...)
Zum Schluss dann noch etwas, was es so in Deutschland nicht geben wird: Die Gebeine.
Viele davon - einige Räume. Dazu teilweise Erklärungen. Z.B. "Dies sind die Gebeine einer ca 80 jährigen Frau mit Schusswunde im Kopf"
Puh, das hat lange gedauert!
Jetzt aber erstmal gucken, was ich noch so machen kann.
"Der Chinese hat erzählt, er habe sich den Palast angesehen. Gut, der steht auch bei mir auf der Liste, fährste da hin."
Gesagt, getan.
Am Palast angekommen und mich wieder an den Bettlern vorbeigezwängt um mir auch dieses riesige Gelände anzugucken. Hier war z.B. die Regierung der Republik China untergebracht (wir erinnern uns: Nicht die Kommunisten, die anderen. Die, die jetzt in Taiwan sind - die Guómíndǎng). Aber auch schon während der Qing-Dynastie wurden hier bedeutende Verträge geschlossen.
Es gibt wieder Exponate:
Man sieht: Auch früher waren hohe Absätze in China wichtig - die waren nämlich schon immer so klein!
Auch kleine Kinder mussten größer wirken!!
Hier mal ein etwas unwichtigerer Raum. Ich habe den eigentlich nur wegen der absolut hässlichen Möbel fotografiert. Könnte so auch glatt ausm Osten kommen... gut, stimmt ja auch irgendwie... Ist übrigens kein richtiges Braun. Eher sowas wie Orange oder Kupfer? Auf alle Fälle hässlich. (Qualität ist auch mies, weil Gegenlicht und dann nur softwaremäßig aufgehellt)
Ein Foto aus einem bedeutenderen Saal:
Hab ich eigentlich nur fotografiert, weil ich Flaggen mag... Die ist ja heute noch aktuell - in . Die Flagge der Republik China (ist wie mit Korea oder Kongo: Es gibt jeweils eine Republik und eine demokratische oder Volks- Republik). Wer die allerdings auf dem Festland hisst, macht sich strafbar.
Anderer Raum, andere Flagge, gleiche Staatsform, allerdings nur bis 1928:
Der ganze Palast hat natürlich einige Gartenanlagen und Teiche. Viel zu viele um alle zu zeigen.
Beispielbild:
Die Chinesen scheinen übermäßig viele Probleme mit ihrer IT zu haben:
Ist bestimmt schon das zehnte solcher Bilder...
Als ich wieder aus dem Palast kam, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die Menschenmassen zu fotografieren:
Ich glaube, die Hüte dienen der Identifikation - jemand mit einem Hut in meiner Farbe gehört zu mir. Zum Glück bin ich hier auf mich allein gestellt. Sone Touren mitmachen, wäre ja die Hölle. Momentan bezweifle ich, dass ich so etwas jemals wieder machen würde.
So. Jetzt hab ich Hunger! Wo gehts zur Stadtmauer?! Zwei Kilometer weiter hab ich festgestellt: "Ah ne, genau die entgegengesetzte Richtung"... Ein paar hundert Meter hinter dem Palast kam ein Starbucks. Ich hatte ja Hunger - und an Kaffee mangelt es hier ja ohnehin - und laufen macht irgendwie auch nicht mehr so viel Spaß. Ich bin schließlich schon seit 0645 auf den Beinen, da kann man doch sieben Stunden später mal sitzen.
Ich also ab in den Starbucks und einen Muffin und einen Kaffee bestellt. Das gute bei Starbucks ist: Es gibt kostenloses Internet über W-LAN. Das schlechte an Starbucks ist: Das W-LAN ist nicht verschlüsselt. Ist jetzt erstmal egal - ich hab Kaffee und etwas Ruhe. Ich weiß nicht, ob und was die hier in den Kaffee tun, aber auf alle Fälle werd ich immer sehr schnell zufrieden mit allem, sobald ich einen Schluck trinke. Vielleicht ist es aber auch der Entzug - mhm... bin wohl schon so ein Junkieopfer. Nebenbei kann ich auch ordentlich meine nächste Marschroute planen. Es soll ja zur Stadtmauer gehen.
Hier pausiere ich erstmal und werde meinen Artikel wieder entzweiteilen. Ist ja wieder einiges zusammengekommen.
Da haste ja mal wieder viel gesehen! =O
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