Naturgemäß bin ich also in die falsche Richtung gelaufen, was sich im Nachhinein aber nicht als schlimm herausgestellt hat.
Hier ist übrigens der Bahnhof in Hangzhou:
Ersteinmal wieder zurück. Dann auf die richtige Straße gelaufen und dieser dann bis zum See gefolgt - dem West Lake übrigens. Der liegt im Westen!
Das erste, was ich dort zu Gesicht bekam, war diese Kuh:
Die arme! Habense die einfach bis zum Kopf ins Wasser gestellt.
Hangzhou ist der Ursprungsort des weltbekannten Longjing Tees. Wirklich, wirklich interessant. Man kann den Tee zur Erntezeit quasi direkt aus den Händen des Pflückers kaufen. Aber momentan ist keine Erntezeit! Die Teeplantagen habe ich auch nicht gesehen - wäre aber sicherlich ein schöner Anblick gewesen. Aber so lange wollte ich auch gar nicht in Hangzhou bleiben. Beim Kauf muss man allerdings hart aufpassen: das meiste was als Longjing Tee verkauft wird, ist fake. Vor allem, wenn es günstig ist - geht nicht davon aus, dass man 100g guten Tees unter 100 Yuan (= 12,37€) bekommt.
Ich wollte ja nun eigentlich einmal um den See laufen. Der See ist, wie gesagt, nicht sehr groß. Dennoch liegen einige Inseln darin, die man mit Booten besichtigen fahren kann. Ich wurde kurzzeitig von meiner Tour abgelenkt, als ich ein Starbucksschild gesehen habe. Da wo Starbucks ist, ist Kaffee. Da wo Kaffee ist, ist Gemütlichkeit. Ich also dem Schild gefolgt. "Einen Schokomuffin und einen Kaffee mit einem bisschen Milch bitte". "Milch? Sie meinen Café Latte?". Nein verflucht. Ganz normalen Kaffee und ca. einen Mikroliter Milch. Das mit dem Muffin ging gut - ist auch nicht schwierig, glaube ich. Meinen Kaffee habense versaut. Ich hab gesagt, ein bisschen Milch, nicht die Hälfte des Bechers - jetzt schmeckt man doch gar nichts mehr! Toll ey. Das ganze auch noch teurer, als normaler Kaffee. Jetzt bezahle ich schon mehr für die Zerstörung des Kaffees...
Keine Gemütlichkeit, da kein Kaffee. Schade. Da der aber so heiß war, musste ich lange Pause machen. Das gute ist aber, wenn die Leute nicht wären, hätte man direkt am See sitzen können. Aber wie alles andere in China auch, ist dieser Ort mit Menschen überfüllt.
Nun aber wirklich los hier. Also entlang des Ufers marschiert. An einer Stelle habe ich dieses Schild gesehen:
"CAUTION - WET FLOOR"

Aber lieber auf Nummer sicher gehen, ne?
Dann kam ich zu einer Bootsanlegestelle, an der stand, dass es für Studenten Rabatt gäbe. Hier wurde ich definitiv verarscht! An der Tafel stand, das kostet 22,50 Yuan für Studenten. Ich sollte 35 bezahlen. Auch mein Einwand hat da nichts gebracht... Als ich gefragt habe, welches Boot ich nehmen sollte, hat sie auf dieses verwiesen:
Klar, dass das teurer ist. Normale Boote sind das hier:
Wie kommt die jetzt darauf, dass ich unbedingt mit dem großen Boot fahren möchte? Und wieso ist das teurer? Ist zwar größer, aber dafür steigt die Anzahl der Personen doch auch proportional. Was soll das?!
Naja, 1,50€ - ich habs ja... Bringt ja auch nichts, mit einer zu streiten, die drei Worte Englisch kann...
Ich also aufs Boot und dann auf die Insel - eine von denen. Auch hier waren bereits die Wege zugestopft. Aber es geht noch. Der Bund während der Golden Week ist schlimmer.
Als ich einmal um die Insel herum und ein paar mal drüber hinweg gelaufen bin, wollte ich auch wieder aufs Festland.
Halt, nein, erst habe ich noch einen Wegweiser fotografiert:
Wem ist es aufgefallen? Das heißt hier "wàn" und ratet mal, was "wàn" heißt. Genau! Swastika. D.h. also das Zeichen für "Swastika" ist eine Swastika. Kreativ...
Das Problem war jetzt allerdings, dass ich nicht wusste, ob ich zur Ausgangsposition zurück muss oder ob ich woanders einsteigen kann oder ob das ganze, weil es so teuer war, noch eine andere Insel beinhaltete. Im Endeffekt bin ich mit einem kleineren Boot zurück zum Starting Point gefahren. Hat sich ja richtig gelohnt, das große Boot. Ich sage es immer wieder: China macht mehr Spaß, wenn man Chinesisch kann!
Hier ein Denkmal für die Koreafreiwilligen:
Ich find die Denkmalkultur hier wesentlich besser, als bei uns - da sieht man wenigstens worum es geht - bei uns stehste eher davor und denkst: Und was zur Hölle soll das darstellen und was hat das mit dem Thema zutun - verfluchte abstrakte "Kunst"...
Nun noch ein Blick über den Großteil des Sees:
Und hier ein weiteres Denkmal. Sieht allerdings eher so aus, wie eins für das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr:
Ein Gebäude, das hart nach DDR aussieht:
Und nun noch die Feuerwehr:
Wie das hier so üblich ist, hatten die ihre roten Rundumleuchten an. Aber, da kein Ton an war, heißt das wohl nur soviel wie "Wir bewegen uns demnächst oder momentan". Denen hat natürlich auch keiner Platz gemacht. Ist ja nicht, wie in Deutschland, wo das zwar genauso ist (kein Ton, keine Sonderrechte), aber trotzdem jeder rechts ranfahren würde...
Die Klamotten fand ich auch eher ungewöhnlich - Tarnklamotten? Allesamt? Mhmm... Was ich nicht gesehen habe, ist dass 200m weiter die Feuerwache war. Dementsprechend fahren da also öfter Feuerwehrautos. Das andere hab ich nicht mehr fotografieren können (war auch ein neueres Modell, die fahren nicht alle mit diesen Oldtimern). Die hatten es nämlich eilig auf dem Weg nach Hause - deswegen haben sie auch für die Kreuzung das Tatütata angemacht. Verständlich. Die hatten nun auch hitzebständige, ordentliche Feuerwehrklamotten an.
Und nun noch was essen! Ich bin in das eine oder andere Restaurant gegangen, hab geguckt, was da so rumliegt und dann überlegt, ob ich dort was essen soll. Ich habe mich für das Mensa-Feeling entschieden. So sah das Essen aus:
35 Yuan! In der Mensa kostet das vielleicht ein Drittel...
Und natürlich war das Fleisch voller Knochen oder besser: Die Knochen hatten vereinzelt ein paar Fleischstückchen dabei.
Das schlimme ist ja nichteinmal, dass da Knochen drin sind. Das wäre ja kein Problem. Schlimm ist, dass Knochen im Hexler in der Regel nicht in zwei Teile brechen, sondern splittern. Und diese winzigkleinen Splitter machen einem das Leben schwer. Zum Beispiel tun die weh, wenn sie in den Zahnzwischenräumen stecken und sich dort verkanten (die sind wirklich sehr klein). Genauso tut es weh, wenn man auf einen draufbeißt - das ist, wie auf die Gabel beißen - Gänsehautfeeling. Und am meisten tut es wohl weh, wenn die zwischen Zahn und Zahnfleisch landen - ich habe bestimmt sofort im Mund geblutet!
Das Bier wurde übrigens mit Reis gebraut - ein Reisbier also. Hat auch ungefähr 2,5% - haut mich nicht so vom Hocker, aber man muss es ja mal probieren.
Jetzt aber wieder nach Hause - ist schon 1800 durch. Also ab zum Bahnhof und "Shanghai" gesagt.
Erst noch das Schild für verlorenes Gepäck - äh verlorenen Henkelwitz?!
Cool, immer wenn ich nach Shanghai zurück fahre, habe ich maximal 15 Minuten zwischen Ticketkauf und Zugabfahrt... Also rennen! Und schon wieder weiß ich nicht, wo die Züge starten. Mittlerweile habe ich wohl ein System darin entdeckt - aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt.
Ich bin also Richtung Züge gelaufen - aber zum Ausgang. Wusste ich ja nicht richtig - hier steht ja auch kein Schild "Zu den Zügen" wie in Deutschland. Und dann kam noch so ein Hammer.
Mich spricht ein Taxifahrer an und fragt ob ich ein Taxi will - ich natürlich: "Nö ich fahre jezze nach Shanghai." "Shanghai? Ok komm mit" - "Junge ich brauch kein Taxi - wo sind die Züge" (und zeige ihm mein Zugticket) - Er: "Ah nach Shanghai - fliegen? Komm mit - 20 Yuan" "JUNGE ICH WILL KEIN TAXI UND JEZZ SAG MIR WO DIE ZÜGE SIND - MEINER FÄHRT IN 10 MINUTEN AB"
Hatter natürlich nicht gemacht und ich war wieder auf mich allein gestellt. Nur Zeit geraubt hatter mir. Ich hasse so etwas. Dass dem das nicht reicht, wenn ich das einmal sage.
Im Zug habe ich noch etwas in meinem neuen Buch gelesen und war irgendwann auch schon da.
Die arme Kuh :(
AntwortenLöschenDas Feuerwehrauto knallt ja richtig :)
Und beim nächsten Mal keinem Taxifahrer begegnen
Das geht auf keine Kuhhaut: eine Wassersportkuh! Und dann noch in einem so malerisch gelegenen See - erinnert etwas an den Thuner See (Berner Oberland)mit den Bergen in der Ferne. Und dann die Boote. Kaiser von China! das ist eine Pracht. Natürlich für die Langnasen-Touries das Beste und Teuerste, was beschwerst du dich da? Aber worauf weist das Swasika hin, holder Wanderer?
AntwortenLöschenVorsicht vorsicht vorsicht bei den geflügelten Knochenmonstern!
Der Taxifahrer wollte doch auch nur dein Bestes: Geld ... und dir dienen.
Das mit den Fernzügen das schaffst du sicher immer besser.
Danke für Fotos und Fotowitz / Gag...und nun wieder ins BachelorLabor!