Mittwoch, 28. November 2012

Beijing Touritour Tag 1.0 - Oder: Tag 53

Morgenstund' hat Gold im Mund. Gerade in China ist es wichtig, früh aufzustehen, wenn man den Tag nutzen möchte. Da alles um 1700, spätestens aber um 1730 geschlossen ist, muss man eben schon zur Öffnungszeit dort sein.
Diesmal lag es allerdings weniger an den Öffnungszeiten, als am Sonnenaufgang. Der war für einige wenige Minuten nach Sieben angekündigt. Und bei Sonnenaufgang wird traditionell die Flagge gehisst - ist in Deutschland auch so. Allerdings wird das hier auch auf dem drittgrößten Platz der Welt (lt. Wikipedia) gemacht: Dem Tian'anmen-Platz. Zur Flaggenparade selber ist nicht viel zu sagen. Die sind wohl überall recht ähnlich und zumindest für mich nichts überaus spektakuläres. Viel verwunderlicher war das Bild, das sich mir trotz eines Donnerstagmorgens geboten hat. Ich bin extrafrüh aufgestanden um eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang dort zu sein. Erstens: Die Metro war übervoll. Wesentlich voller als ich das aus Shanghai kenne. Ungefähr so, wie man sich das in Tokyo immer vorstellt, mit den Leuten, die einen in die Bahn drücken. Bewegung ist unmöglich und ich war noch nichtmal in einer der Hauptlinien. Ich stehe da ja nun nicht so drauf, den Chinesen scheint das allerdings nicht viel auszumachen. Ich dachte ja, das geht nicht noch voller - Linie 2 hat das Gegenteil bewiesen: Es wurde einfach weiter komprimiert.
Zum Glück waren das nicht viele Stationen zum Platz.
Dort angekommen bin ich erstmal den ganzen Leuten zum Ausgang gefolgt - ich weiß ja meistens nicht auf Anhieb, welchen der Ausgänge ich nehmen muss. Hat sich auch diesmal bewährt. Oben hab ich auch versucht, mich zu orientieren - hat nicht wirklich gut geklappt. Letztendlich hab ich eine Formation von Polizisten o.ä. gesehen - die wollen sicherlich auch da hin. Also einfach mal folgen. Ach und hier laufen ja auch einige Züge der Armee. Und hier sehe ich auch schon viele viele Leute - da muss ich hin.
Der ganze Platz ist abgeschirmt. Ohne Sicherheitscheck kommt man da nicht drauf. Also musste auch ich mich den mehr oder minder kritischen Blicken der Polizei und Armee unterwerfen.
Ist ja kein Problem - ich habe ja nichts zu verbergen. Als Tourist kann ich mich mit diesem Überwachungsstaat auch abfinden. Während ich so dem Zug gefolgt bin, habe ich gesehen, dass am Ende auch eine Halbgruppe Ziviler hinterherläuft - also eingegliedert! Hat mich etwas verwundert und ich dachte erst, die machen sich lustig. (Was? In China über Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben lustig machen??) Im Nachhinein hat sich dann herausgestellt, dass das mehr so eine Art "verdeckter Sicherheitsleute" ist.
Auf dem Platz selbst: Mehrere hundert Leute. Ey, müsst ihr nicht arbeiten? Ist Donnerstagmorgen um halb Sieben - was ist mit euch denn nicht in Ordnung?

Das ist nur die Traube, die mir gefolgt ist...

Der Bereich um den Flaggenmast wurde durch eine sehr lockere Postenkette abgesperrt - vielleicht alle 20m ein Mannschaftsdienstgrad. Zwischendurch kam auch mal ein Oberleutnant vorbei und hat den Mannschaften irgendwas gesagt - war wohl der King vom Dienst.
Die Zuschaueranzahl wuchs natürlich auch noch stetig weiter - bestimmt über 1000 Leute? Ich wiederhole nochmal: Mitten in der Woche und vor Sonnenaufgang... Geht mal mitten in der Woche vor Sonnenaufgang durch Bielefeld... Die Leute da könnt ihr an einer Hand abzählen...

Hier mal ein Blick nach hinten. Ganz subtil und verdeckt stehen auch ein paar Soldaten in der Menge - ist aber schwierig zu erkennen!!

Hier mal eine Laterne:

Achja, und ein paar Kameras - von hier nicht einsehbar: Mit Infrarotleuchten dran.

Die Züge von Polizei und Armee haben natürlich eine Sonderposition innegehabt und standen wesentlich näher am Flaggenmast... So wurde dann gewartet. Chinesen warten ja nie ruhig - da muss immer gedrängelt werden - hier ma ne alte Oma und dort der Jugendliche - vor, zurück, zur Seite - hauptsache, das ganze ist immer in Bewegung. Ganz besonders, wenn Leute Fotos machen wollen. Kann ja nicht angehen, dass die nicht verwackelt sind...
Irgendwann ging es auch los. Zwischen Verbotener Stadt und Tian'anmen-Platz führt eine Straße - die wurde jetzt gesperrt, denn aus nördlicher Richtung (quasi aus der Verbotenen Stadt) kam der Zug des Wachbataillons (oder dem chinesischen Äquivalent? Die konnten aber besser im Gleichschritt laufen, was mich zur Aussage bewegt, dass auch in China nur die speziellen Einheiten den Formaldienst beherrschen. Das heißt allerdings auch, dass der Rest so etwas nicht macht. Daraus folgt dann wieder, dass die wohl andere Dinge - z.B. Kämpfen - lernen...).


Das Hissen der Flagge. Die Röte kommt nicht etwa von der Morgensonne, sondern von einer riesigen Displaywand im Süden, die irgendetwas mit viel Rot angezeigt hat.

Die Jungs hatten ihre Gewehre (normale Karabiner für den Formaldienst - keine Sturmgewehre) und natürlich die Flagge dabei. Nationalhymne und Flaggehissen und nach ein paar Minuten war das ganze Spektakel vorbei und die Leute flüchteten zur Metro. Komischerweise war der OG in meinem Bereich der einzige, der die Hymne mitgesungen hat...
Nunja, für mich ging es nun weiter zur Busstation nach der Großen Mauer. Badaling sollte es werden. Ich bin also wieder in meine Metro gestiegen, ein paar Stationen gefahren und zur Bushaltestelle gelaufen. Dort wurde mir mitgeteilt: Nö, heute nicht, weil Schnee. Toll :( Und nun? Ich sollte mir angewöhnen, Backuppläne zu machen. Ich bin dann wieder zurück zum Tian'anmen-Platz und habe mir den mal genauer angeguckt.
Es ist immer gut, zu wissen, was so alles nicht erlaubt ist - keiner möchte schließlich in einem chinesischen Knast aufwachen, ohne zu wissen was einem vorgeworfen wird (bin ja nicht Nils Jennrich, um diesen und seinen Fall hier mal populärer zu machen).


Dieses Schild scheint sich an die ganzen sog. "Autonomen" Krawallmacher sowie Franzosen zu richten:


Könnte nämlich für "Autos anzünden verboten" stehen.

Das hier ist eine Statue vor dem Mao-Mausoleum (oder Mao-Maosoleum)?

Hör ma Keule, ist das nicht die falsche Fraktion, die du da grüßt?

Hier der Nachbar:

Diese Gester erinnert mich doch an was... was war das denn nochmal...?
Ah, genau:


Ich nenne es "Creation Of Statue Of Communism" :D (eins der wenigen Fotos, die größer werden, wenn man sie anklickert...)

Auf dem ganzen Platz sind Armee und Polizei zugegen.


Ist ein ziemlich unschöner Job, den die Mannschaften dort ausüben müssen. Die meisten werden wohl sicherlich auch noch Grundwehrdienstleistende sein - noch weniger Spaß bei der Sache...

Die stehen dann oftmals auf solchen Podesten - wie ein kleiner Flitzebogen.

Aber eigentlich gibt es auf dem Platz selbst ja nicht viel zu sehen - das Mao-Mausoleum vielleicht - aber dort standen mir zuviele Leute. Ich bin zur Verbotenen Stadt gegangen. Das Tor kennt ja jeder:

So siehts übrigens dahinter aus:


Und das hier ist auch ein recht bekanntes Motiv für Fotos:

Interessant ist, dass die ganzen Leute immer nur schnurstracks über den Platz huschen. Abseits des Weges sind genau Null Leute unterwegs. War das früher, als die Stadt richtig in Betrieb war, auch schon so? Wenn ja, wieso ist dieser verdammte Platz so riesig??

Standardprozedur: Auf die Standardfrage folgt natürlich die Standardantwort mit und hier das Standardresultat:


Hier mal ein etwas in die Tage gekommener, überdimensionaler Feuerlöscher:


Und hier eine Stealth-Kamera - fast unsichtbar:


Der Letzte Kaiser - ein Foto von einem Foto von ihm:

Übrigens ein sehr guter Film! Empfehle ich an dieser Stelle einfach mal allen.

Nördlich des Tian'anmen liegt die Verbotene Stadt. Dahinter kommt dann der Jingshan-Park. Wenn ich schonmal hier bin, kann ich da auch rein. Ist eigentlich nur der Berg mit ein paar Pagoden darauf. Allerdings hat man einen schönen Überblick über diese riesige Verbotene Stadt:

Unglaublich groß - ich hab mir auch nicht alles genaustens angeguckt - irgendwann ist sowieso alles dasselbe... Ich bin irgendwie durch, dann ein bisschen zurück und dann bis zum nördlichen Ausgang gegangen. Ist wirklich groß... sehr sehr groß.

Noch mehr Feuerwehrzeugs: Eine stationäre Löscheinrichtung. Draufklettern ist allerdings verboten - tja, Feuerwehrmann, nun denk dir mal was aus...

Wenn das da eine stationäre Löscheinrichtung ist und hier auf der anderen Seite des Berges das hier zu sehen ist...


...dann muss man kein Genie sein, um zu wissen, was sich unter der Plane verbirgt. Genau: Eine Flugabwehrkanone...

Diese Löwen kennt man ja von jedem Chinarestaurant. Auch hier stehen die an vielen Tempeln oder Hotels oder Videotheken... Der hier ist ja besonders putzig:



Ich hoffe, der spielt nur mit dem Minilöwen...

In diesem Park hat sich übrigens einer der Kaiser selbst erhängt. Der war wohl auf der Flucht vor irgendwelchen Truppen und die Minister waren schon alle verduftet. Er hat sich dann offensichtlich in den Finger gebissen, um seinen Abschiedbrief auf seine Klamotten zu pinnen. Darin hatter dann allen Leuten erklärt, dass die ganzen Probleme im Volk und die Truppen in der Verbotenen Stadt nur die Schuld der Minister waren, die ihn dann auch noch alleine gelassen hatten... Zum Glück ist der Typ nicht so realitätsfremd in seiner eigenen kleinen Welt (oder Stadt) und bleibt noch auf dem Teppich...

3 Kommentare:

  1. Ich habe die Soldaten auf dem Foto in der Menschenmenge gefunden :)

    Sehr lustige Bilder und Text

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  2. Also das ma vorneweg: als Terrorist wärest Du total ungeeignet in China; die vielen Kameras können Dich doch nur teilweise erfassen. Doch zum Trost hast Du ja nun viele "Gruppenfotos" mit Dir im Halbkreis hinterlassen. Finde ich immer wieder lustig gut!
    Und die Kameras auf allen Wegen ... kennen wir mittlerweile hier auch auf Schritt und Tritt - Orson Wells läßt grüßen.
    Flagge hissen ... ein Zeremoniell, das evtl.an einen kleinen Wachaufzug im Berlin der 80er Jahre erinnert?
    Feuerlöscher oder Mannschaftssuppentopf? Danke für die Fotos!!!!!

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  3. Noch zu den Grußkreationen: absolut genial die neue Kombination des Soldaten mit Genossen Gott!
    In Zukunft also gilt: Vorsicht beim Erheben des Armes zum Gruß. Man gerät schnell schon hierbei in eine falsche Fraktion. Danke Olli

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