Samstag, 5. April 2014

Von der Art der Chinesen

Jetzt nur noch der Artikel von gestern und schon ist der Blog wieder up to date.
Gestern war ich den halben Tag in der Metro. Ich musste nämlich meinen Reisepass abgeben gehen. Der Zoll braucht den wohl - keine Ahnung. Mein Plan, morgen (also heute) nach Beijing zu fahren hat sich damit zerschlagen. Hier ist jetzt erst mal Feiertag (Totengedenkfest - qingmingjie) - Dongdong ist auch @home. Ich werde also seine StudentID zum Mensaessenbezahlen misshandeln....
Zuerst allerdings möchte ich einen wirklichen Vorteil meiner Unterkunft herausarbeiten: Vor der Haustür (ca. 200m) ist ein KFC. Dort habe ich heute auch zum ersten Mal gegessen - 18RMB (2,10€) für einen Burger, eine Cola und eine Pommes - Mittagsmenü, ist ja noch halb zwei. Ist doch ok, oder? Generell ist KFC hier öfter vertreten, als in Deutschland. Bielefeld hat sowas ja noch nichtmal :D

Ich hab mich also in den gongongqiche, den öffentlichen Bus, gesetzt und bin zur Metro gefahren. Mit der bin ich dann eine Stunde zu einer anderen Metro gefahren. Und dann habe ich in der Nähe der Nanjingxilu (West-Nanjing-Road (sagt uns was, oder?)) nach der richtigen Hausnummer geguckt. Wie es sich gehört, befindet sich da die 499 zwischen 333 und 335 (Namen/Nummern zum Schutz der jeweiligen Gebäude von der Redaktion geändert)... Man kann sich also vorstellen, dass das ein ziemliches schwieriges Unterfangen ist, wenn man nicht, wie ich, Glück hat :) - nach 20 Minuten und 1000m hatte ich das richtige Haus (auf der falschen Straßenseite) gefunden.

Auf dem Rückweg bin ich zum People's Square gelaufen - nicht wirklich atemberaubend, deswegen spare ich mir auch die Fotos... Hier aber eins von der Metro:


Keine Ahnung, ob man das erkennt, aber wichtig ist eigentlich nur die Zeit, bis zu nächsten Metro: 01:03 - also der Einminutentakt. (Man sieht ja, dass die Metro gerade abfährt...) :)

Nachdem ich also wieder stundenlang in der Metro gestanden habe (Sitzplatz ist ja nich...), bin ich mit dem Unibus nach Hause gefahren - diesmal war weniger los!
Des Weiteren habe ich die Chance ergriffen, meinen tristen Schulweg zu dokumentieren:

Richtung Hotel
Die bauliche Trennung dient den Rollerfahrern - Fußgänger quetschen sich auch auf den Roller-Weg


Richtung Uni.

Ich habe auf dem Rückweg noch meinen Zimmernachbarn getroffen und gleich abgemacht, dass wir noch fix was trinken, wenn ich mit Arbeiten fertig bin (hab ja heute noch nichts geschafft).
Zuerst bin ich also wieder Richtung Uni bzw. Restaurant gegangen:


12 RMB - ich dokumentiere das nicht, weil ich den Sparfuchs raushängen lassen will, sondern damit man sich hier mal ein Bild von den Lebenskosten machen kann!

Jetzt aber ins Labor. Da habe ich endgültig meine QLandkarteGT-Lösung verifiziert und dann versucht, mich um den TriCore und seinen Ethernetcontroller zu kümmern. Das ist allerdings schon etwas freakiger.
Hier möchte ich dann nochmal was anbringen:
Ich habe zwei Beispiele von den Chinesen bekommen (z.B. für einen ADC - Analog/Digital-Wandler) - "um mich einzuarbeiten". Dazu ein Video, wie das ganze erstellt wurde. Und jetzt die Question: Was soll ich denn damit? Ich sehe zwar, dass der da irgendwelche Checkboxes anklickt und was auch immer, aber ich verstehe ja nicht, wieso. Und das ist der Punkt auf den ich hinaus will: Ich glaube, dass es hier wirklich öfter als bei uns nur darum geht, irgendetwas nach zu machen. Nicht denken, nur machen. Vor allem: Nicht den Sinn dahinter erfassen.
Auf der anderen Seite hantieren die hier überhaupt erstmal mit Industrieprodukten rum - das gibts bei uns an der Uni nicht (also nicht in dem Maße und nicht als studienbegleitende Pflicht). Insofern können die schon was vorweisen, was wir nicht können.
Aber dazu gibt es natürlich noch die andere Sicht der Dinge: Eine deutsche Universität zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass wir alle in einem Elfenbeinturm sitzen und möglichst abstrakt und realitätsfern arbeiten. Wir rechnen ja auch nicht mit Zahlen - genau genommen rechnen wir überhaupt nicht :D Wir sind ja keine Fachhochschule :D
In Deutschland ist genau das eben nicht Ziel der universitären Ausbildung. Das ist meines Erachtens schade, aber was solls. Wer will, der befasst sich privat mit den weiteren Dingen.

Offensichtlich gibt es aber auch andere Erfahrungen mit chinesischer Kreativität - in Ermangelung eines Postens in der Industrie kann ich natürlich nicht auf dieses Repertoire zurückgreifen. Jedenfalls kamen wohl bei einem Brainstroming hier in Shanghai äußerst kreative, überraschende Ergebnisse raus.
Trotzdem lerne ich lieber, wie ich das aus Deutschland gewöhnt bin - möglichst vor der Arbeit weigern und Alternativen suchen und den verbleibenden Rest möglichst gut bearbeiten :D Nicht von morgens bis abends in der Bibliothek Anleitungen und Bücher lesen.
Xiaojing hat mir letztens gesagt, dass sie keine Ahnung von Linux hat. Sie will jetzt also Linux lernen. Dazu hat sie sich ein Buch besorgt und liest auch fleißig von vorne bis hinten in diesem chinesischen Kauderwelsch. So richtig, das kann ich prophezeien, wird das aber nichts bringen... Man muss schon selbst damit arbeiten.

Außerdem habe ich heute erfahren, dass das Leitungswasser doch gar nicht so schlecht sein soll. Hier ist eine Menge Chlor im Wasser - Bakterien ist also nicht. Aber dafür sind wohl Schwermetalle mit dabei - die kann man auch nicht rauskochen :D. Was soll ich machen?!
Was einen umbringt, macht einen härter (wortwörtlich)

1 Kommentar:

  1. Rasant, rasant; ich komme kaum noch nach und freue mich doch über jeden neuen post...oder jede neue Post??? Übrigens: tolles Hotelzimmer mit elegantem Mobilar - Is Empire? Und jetzt raus aus der Elfenbeinturmperspektive! Davon gibts in D leider viel zu wenig Einrichtungen (kenne z.B. nur PB -Nixdorf -und MD mit Industrieanbindg.). Bringt mehr, bestimmt auch für Dich. Apropos Wasser und Schwermetalle: macht härter UND SCHWERER hahahaha

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