Dann noch den Neuen aus dem Bett klingeln und meine Zimmerkarte abgeben - so kann er mein Internet nutzen, während ich in Peking bin. Das Personal macht ja sonntags Pause. Aber das hält die auch nicht davon ab, samstags zu sagen, dass morgen alles wieder laufen wird...
War aber gut, dass ich so früh los bin. Kurz vor Sieben bin ich in den Bus gestiegen und konnte die nächsten Stunden mittels ÖPNV die Strecke zum Bahnhof Hongqiao beschreiten. Um kurz nach Acht war ich auch dort angekommen und musste jetzt nur noch die Tickets abholen. Fix in die Schlange gestellt und dann, eine Stunde des Wartens später, meine Tickets in Empfang genommen. Juhu - hat ja gar nicht so lange gedauert - jetzt hab ich ja sogar noch mindestens 40 Minuten zum Frühstücken.
Hier muss ich kurz einhaken und beschreiben, wieso hier alles immer lange dauert: Die haben nicht genug Personal am beat. Gibts nicht - locker 200 Leute vor Ort und die haben nur drei Schalter aufgemacht - von zehn möglichen oder so. Und dann sind zwei der fünf Angestellten offensichtlich nichtmal damit beschäftigt, produktive Arbeit zu machen. Der eine spielt den Supervisor und die andere feiert ihre eigene Party...
Dann noch son Stück aus dem Dollhaus (das 'D' gehört so): Vor mir steht nur noch eine Person und dann kommt son Chinese an und will sich vordrängeln. Die Tante sagt dem natürlich sowas wie "Verpfeif dich du Spinner" und was machter? Na klar, der bleibt stehen und wartet, bis ich dran bin, um es nochmal zu probieren. Dazu zeigt er sein Parteibuch, ein bisschen Knete und will meint jetzt augenscheinlich, mehr Rechte zu haben. Sone Späße mache ich natürlich nicht mit; im Zweifel fordere ich meine Tourirechte ein: Ich darf alles und verstehe gar nix - ich bin der Laowai und hab hier über eine Stunde in der Schlange gestanden - ich bin dran! Und jetzt verzieh dich. Nach mir die Sintflut, versuchs da einfach nochmal.
Das Frühstück war eine Kombi aus KFC und Starbucks. Keine Ahnung, wieso ich früher oder später immer dort lande... Aber lieber das, als Geld für unbekannten Müll da zu lassen - und es gab ja nur Fastfoodketten am Bahnhof. Aber deutlich mehr, als vor 1,5 Jahren. Das geht soweit, dass es einen Starbucks direkt am Fuß der Rolltreppe gibt. Der nächste ist direkt am Kopf derselben Rolltreppe.
Der Starbucks wird übrigens durch ähnliche Kategorien von Leuten besucht, wie bei uns. Wichtig und markant ist der Apple Mac auf dem Tisch, während man genüsslich den Fairtrade-"Kaffee" trinkt. Der Unterschied ist eigentlich, dass die Location zwar gleich aussieht, wie in Deutschland, aber nicht ganz so viele Hipster da rumspringen.
Fairtrade ist in China vermutlich auch echt nicht die geilste Marketingstrategie. Eine große Usergroup bilden allerdings auch die Touristen, vornehmlich amerikanischer, englischer oder deutscher Abstammung - erstere erkennt man deutlich an der über das Endstadium hinausgeschrittenen Adipositas. Hab ja schonmal anklingen lassen, dass die Preise hier nicht gerade im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen stehen. Aber wer sich Apple kauft, der kann auch bei Starbucks frühstücken. Und die Touris können es sich ja ohnehin leisten. Das erinnert mich an eine Amerikanerin in München, die echt mal für sich selbst für >20€ bei einem Starbucks eingekauft hat. Wer macht denn sowas?
Kurz vor 10 konnte ich auch endlich in den Zug steigen und die nächsten Stunden mit NCIS gucken und Bloggen verbringen. Die Zugfahrt ist wie in Deutschland - mit Ausnahme der Chinesen. Die können alle nich stille sitzen, aber ich bin schon angenehm überrascht, dass mein Nachbar nicht stundenlang auf allen Kanälen telefoniert. Wichtig beim Telefonieren ist auch, das Handy möglichst weit weg vom Kopf zu halten und die Distanz einfach mit Lautstärke zu überbrücken. Genau Leute, das war die Intention von Samsung und Apple, die Dinger so zu bauen, dass sie direkt an den Kopf gehalten werden können... Die haben mit Sicherheit gewollt, dass ihr die drei Meter weghaltet...
Die Landschaft ist eigentlich ganz gut, viel Grün dabei. Aber irgendwie diesig; wie immer (offenbar). Die lockeren 300km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und die Tatsache, dass ich keinen Fensterplatz habe (zusätzlich mein Nachbar auch genau zwischen den Fenstern sitzt), führen allerdings auch dazu, dass ich nicht äußerst viel Landschaft mitnehmen kann.
Nach meiner Ankunft am Südbahnhof Peking, bin ich natürlich gleich weiter zur Metro gegangen. Ja klar, ich hab mir erst noch eine Metrokarte besorgt (50RMB, davon 20RMB Pfand). Eine Stunde später konnte ich dem Untergrund auch endlich entrinnen und die "frische" Luft einatmen...
Ich kenne die Gegend hier ja schon - ich weiß, wo der nächste KFC ist, der mein Abendessen herstellen soll:
Der Rest des Abends war auch eher entspannt - ich habe ein paar Folgen geguckt und bin dann schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen sollte es eigentlich ins Militärmuseum gehen. Dazu habe ich nochmal vorsichtshalber auf der Webseite geguckt, da ich beim letzten Mal (2012) schon nur in den Außenbereich konnte - das Museum war da aber zu. Das sollte nicht passieren, also habe ich nochmal geguckt. Alles klar, da steht nichts; morgen gehts also zuerst da hin.
Nach dem frühen Aufstehen (0630) zuerst also frühstücken. Traditionell, wie ich bin, habe ich das beim McDonald's gemacht. Der liegt auf dem Weg und ich kenne das Prozedere schon aus 2012 :D
Neu ist allerdings das Poster am "braunen Brett"
Moment, ich zoome rein:

Keine Ahnung, was mir das Plakat sagen soll, aber es erinnert verdächtig an eine negierte Version von diesen Antifa-Flicken..
Hier abermals ein Foto von meinem Ghetto - sieht aber schlimmer aus, als es ist. Eigentlich ist es gar nicht so schlecht hier. Klar, der Boden ist nicht aus Gold, aber ich werds überleben - und man rutscht auch nicht so schnell drauf aus :)
Also ab zum Museum. Die Metro war voll, wie immer. Ich musste erst zwei Metros ohne mich wegfahren lassen, weil da echt kein Platz mehr war. Wer jetzt annimmt, die dritte sei irgendwie leerer gewesen, der irrt natürlich.
Das Museum, wie sollte es anders sein, war eingerüstet und zu. Ist ja auch nichts, worüber man die Menschen über die Internetseite informieren könnte/müsste... Danke Museum.
Toll, die übelste Zeit verschwendet, übervolle Metros genommen, früh aufgestanden und dann so etwas.
Was machen? Ich habe mich dann dazu entschlossen, den Verwaltungskram in Peking zu erledigen. Lustigerweise hatte ich ja vom Exit-Entry-Bureau in Shanghai die Adresse vom Hongkong-Konsulat in Peking bekommen. Dort soll mir mit meinem Visum geholfen werden. Ich habe das ungläubig angenommen und bin jetzt also dort hin und habe, wie erwartet, eine Absage erhalten. Dafür ist hier keiner zuständig - wie denn auch. Ich gehe ja auch nicht in die deutsche Botschaft um China-Visa zu besorgen... Auf meine Frage, wo ich jetzt also hin müsse um eine neue Einreise zu bekommen, wurde mir mitgeteilt, ich solle irgendwo in Hongkong zum "China-Konsulat". Wieso schickt man mich eigentlich immer gleich über 1000km weiter? Ich habe also gefragt, ob wie hier nicht was in Peking drehen könnten. Na klar geht das! (Wieso überhaupt die Frage??) Exit-Entry-Bureau Peking (wo sonst?!)
Adresse geben lassen und unbekannterweise in die Metro gesprungen. An der Haltestelle dann auch ein bisschen rumgesucht und schlussendlich im besagten Amt gelandet. Der Frau habe ich (abermals) meine Situation erklärt und die sagte: "Ja ist ja kein Problem, beantragen Sie das doch einfach. Visum is peng, ihre Firma schreibt da einfach was und dann klappt das" (so hat sich das für mich jedenfalls angehört). Ich ungläubig: "Meine Firma ist die Uni, geht das trotzdem?" - "Na klar".
"Meine Uni ist in Shanghai, geht das immernoch?" - "Oh, dann müssense ins Exit-Entry-Bureau Shanghai" (na, habt ihr den Zyklus erkannt?)
"Haben die denn da auch dasselbe Formular???" - "Keine Ahnung, müssen Sie da fragen".
Man könnte meinen, da Visa für China eine nationale Angelegenheit sind (ich reise ja nicht nach Shanghai oder Peking ein, sondern China als ganzes), würde es auch nationale Regelungen geben...
Jedenfalls habe ich jetzt etwas auf das ich in Shanghai verweisen kann - da war der Tag also doch nicht völlig hinüber.
Hier noch ein paar Fotos aus dem Leben gegriffen.
Das erste ist in der Nähe meines Hotels:
Das zweite in der Nähe des Exit-Entry-Bureaus.
Bei beiden sehen die Häuser in ca. 200m Entfernung so aus, als wären sie Kilometer entfernt - Smog sei Dank kann man also augenscheinlich längere Strecken in kürzester Zeit überbrücken,
Jetzt nur noch Zeit vertreiben und warten, dass es dunkel wird. Wieso? Ich wollte auf dem Tian'an Men Platz die FlaPa sehen. Das war heute gegen 1900.
Da ich gerade dort war, bin ich noch zum Lama-Tempel gegangen (eher das Lama von Dalai Lama, nicht das Lama vom Tier!)
Da war auch gar nicht so viel los....
1 und 0.5 RMB Scheine - spendabel, spendabel - da liegen mit Sicherheit mehr als 2 EUR auf der Wasserobefläche...
Der Kollege hier hat sicherlich dieselben Probleme, ordentliche Schuhe zu finden, wie ich:
Der ist allerdings auch das besondere an diesem Tempel. Warum? Weil der einfach so riesig ist. Fotos machen ist auch untersagt. Wie ein echter Chinese nehme ich das natürlich zur Kenntnis:
Der hing einfach an soner Straßenlaterne oder sowas...
Danach Mittagessen *hust* und zum Tian'anmen - dem Tor (Men) des himmlischen (Tian) Friedens (An):
Den wohlwollenden Blick konnte ich auch gerade noch so einfangen:
Ein Blick vom Platz desselben Friedens.
Das Nationalmuseum
Und hier die andere Seite des Platzes - noch son Tor: QianMen aus der QianMenStreet heraus fotografiert.
Vorher:
Nachher:
Da fühle ich mich in der Qianmenstreet doch etwas sicherer. Insbesondere, wenn durchaus die eine oder andere Patrouille Schutz und Sicherheit mittels Schrotflinten bietet - bei der großen Menge an Leuten trifft man damit aber immer. Sicherer gehts doch gar nicht.
Aber beste Feuerlöscher haben die Jungs da:
"Broken on Emergency" - da könnt ihr mal sehen, wie wichtig die korrekte Konjugation von Verben ist. Oder die wollen Feuerlöscher wirklich ad absurdum führen.
Jetzt erst einmal einen Kaffee. Starbucks am Qianmen kann ich ruhigen Gewissens empfehlen, zumindest was die Location angeht.
Und nun noch ein paar Minuten - die könnte ich ja schon auf dem Tian'An Men Platz verbringen; sind ja wie immer tausende von Leuten bei dem Megaspektakel... Wer sich übrigens fragt, wieso ich zum Flaggeniederholen und nicht zum Hissen angerockt bin - das hat zwei Gründe:
1. Das habe ich 2012 schonmal gesehen
2. Das fand heute um 0539 statt. Ich müsste also ohne Metro, mitten in der Nacht da hin kommen... Völlig absurder Gedanke...
Noch mehr zum Thema Sicherheit oder der Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte - hier funktioniert das problemlos! Da könnten sich andere Staaten mal was abschneiden.
Crash Bandicoot - irgendwer?
Kennt ihr schon ERKE?
Keine Ahnung, wer hier Zusammenhänge zu
NIKE sieht, aber das Logo ist ja mal echt nur eine verkrüppelte,
verpixelte Version von som Haken oder?
Was kommt als nächstes? Ne Katze mit drei Beinen für die Marke OTMA?
Auf dem Platz selbst kamen mir zwei Chinesen entgegen, beide sprachen sehr gutes Englisch. Das heißt für mich also: Jetzt gut aufpassen! Die wollten den Standardkram wissen - was mache ich hier, wie lange bin ich schon hier - die wollten sogar wissen, wo ich in Shanghai wohne...Jedenfalls haben die auch gleich erkannt, dass ich Deutscher bin (mir ist das jetzt schon drei mal passiert! Sehe ich echt so deutsch aus?? Hier krauchen so viele Amis rum, wieso werde ich nicht für so einen gehalten?)
Wie dem auch sei, die wollten sich noch weiter mit mir unterhalten - bei einem Bier. Mit dem Hinweis, dass ich gerade erst Kaffee getrunken habe, habe ich dankend abgelehnt. Dann wolltense, dass ich mit in son Hutong gehe. Das ist also so ein Ort wie eben beschrieben. Na klar, Jungs, ich gehe mit euch in sone Chinafavela. Alleine. Wo keine Sau ist. Mit unbekannten Chinesen. In der Dämmerung, die in den nächsten 15 Minuten tiefste Nacht sein wird.
Ihr habt dochn Rad ab ey. Habt ihr mit soner Tour eigentlich überhaupt irgendwann mal Erfolg? Wer zur Hölle macht denn sowas?
Komischerweise wollten die sich dann nicht mehr weiter mit mir unterhalten :(
FlaPa:
Jetzt noch ein (paar) schicke(s) Foto(s) bei Nacht machen (der Tian'anmen-Platz ist jetzt auch zu!):
Was essen:
Ein weiterer Grund, weshalb ich öfter bei KFC bin, ist, dass es einfach billiger ist :D
68RMB hat das gekostet - hat aber auch gut geschmeckt, so ist das ja nicht. Aber das sind hier ja bald deutsche Verhältnisse - wo gibts denn sowas? Wo sind wir denn hier? Das sind fast 8 EUR!
So, ich mache hier jetzt mal Schluss.

Hat wieder viel Spaß gemacht, den Bericht zu lesen :)
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