Naja, mein Tag beginnt mit Glückwünschen - ich muss schließlich zum Geburtstag gratulieren. Ist zwar eine E-Mail in die Zukunft, aber wird schon ihren Zweck erfüllen.
Im Anschluss geht es zum Fakemarkt - ich will noch ein paar billige Mitbringsel eintüten, über die sich die Leute freuen können. Fakemärkte sind auch nicht mehr so günstig, wie sie mal waren... Ich musste geschlagene 45¥ (5,56€) für drei Mützen bezahlen... und dann wollte die auch erst noch viel mehr dafür haben... Als die Verkäuferin meinen Preis nicht akzeptieren wollte, musste ich sogar gehen :( Aber in China reicht es oftmals, 30m zu gehen, um dann wieder zurückgerufen zu werden - klappt aber leider nicht immer, wie ich danach feststellen musste.
In diesem ganzen Markt mit allen Ständen gibt es offensichtlich genau einen, der die Handschuhe verkauft, die ich haben wollte - und wenn da jemand das Monopol hat, dann kann er natürlich auch den Preis bestimmen. Man kann schließlich nicht sagen "Der da drüben verkauft es für die Hälfte" - denn "der da drüben" verkauft einfach nicht das, was ich suche - auch wenn "der da drüben" immer sagt, er habe alles, was ich haben will. Und wenn er merkt, dass ich es doch nicht habe, sagt er halt, dass keiner sowas verkauft und ich lieber eine seiner Uhren kaufen sollte...
Nunja, ich musste mich geschlagen geben und den Wucherpreis bezahlen - fast so viel, wie für die drei Mützen... Hammerharter Preisterror! Und ich hoffe wirklich, dass das Weiß durch das Waschen noch weißer wird :(
Kurz vor Schluss kam ein Anruf von Dongdong - wo bleibe ich denn? Ich wusste nichtmal, dass wir uns für eine bestimmte Zeit verabredet hatten :( Ich musste also den zeitlich noch nicht vereinbarten Termin um ein paar Minuten verschieben. Der Fakemarkt ist nämlich nicht auf dem Campus. Wir waren zu dritt in der Mensa essen und damit ich meine Essenskarte leeren kann, hat Dongdong vorgeschlagen, mal eine Suppe zu kaufen. Die war - so haben wir einstimmig beschlossen - nicht wirklich lecker. Ich weiß nichtmal, was da genau drin war. Aber den Versuch wars wert und die Karte ist leer, egal ob die Suppe schmeckt oder nicht...
Was wirkich geplant und verabredet war, war, dass wir nun zum Frisör gehen. Wieder dieser bonzige für 25¥ (3,09€) mit Waschen und Kopfmassage und so... Dongdong fungierte wieder als Übersetzer - hat auch, wie immer, gut geklappt. Während wir also darauf warteten, dass der dritte im Bunde fertig wird, tippte Dongdong in seinem Handy rum. Auf die Frage, was er da schreibe, antwortete er, dass er Blogger ist und einen Eintrag schreibt :D Hochgradig interessante Informationen wie "Ich bin grad mit zwei Deutschen beim Frisör" :D Seine Leser rekrutiert er wohl größtenteils aus der Schule - Dongdong; Gemeinsames Hobby, ne?
Als wir uns so langsam die Jacken wieder anzogen, wurden die wirklich großen Probleme in der Welt angesprochen.
First World Problems:

(Ok, Übersetzung: "Mein Mantel ist maßgeschneidert. Jetzt ist mein Portemonnaie zu groß für die Ärmel")
Wir mussten noch kurz in die Post, um Briefmarken zu besorgen - hier wurde mir bewusst: Ich könnte sogar schon das machen. Knappe 20 Stunden Chinesisch gelernt und schon kann er komplizierteste postalische Vorgänge abarbeiten - klasse Sache. Ich verstehe nicht, wie ich überhaupt noch als Ausländer auffallen kann...
Wir haben uns dann bis zum Abendessen getrennt. Dongdong hatte ja einen Tisch im Restaurant bestellt. Das ist auch gar nicht weit weg. Klar, ein bisschen Laufen, was den Deutschen natürlich immer schwer fällt, aber es lohnt sich. Das war ein Korean Barbecue Restaurant. Also eigentlich ein bisschen mit Raclette vergleichbar. Man bekommt ne Menge Zeug und hat nen eigenen Grill in der Mitte. Jeder kann sich etwas braten und zusätzlich gibt es einige wenige Beilagen. Z.B. ein kleines bisschen Reis, ein kleines Schüsselchen Salat, Gemüse (wobei ich hier nicht weiß, ob das wirklich zum Grillen gedacht war), etc. Wirklich überaus lecker. Gibt es sowas in Deutschland auch? Wäre ein Besuch wert.
Zum Trinken haben wir erstmal zwei Flaschen Bier bestellt - d.h. Dongdong hat bestellt - kaltes Bier wohlgemerkt. Bier kam, aber es war nicht kalt. Das war natürlich das Signal für Dongdong, ersteinmal hart auszurasten und durchs ganze Restaurant zu rufen (ist hier aber normal - geht auch nicht anders, weil die Kellner nie gucken, ob man etwas braucht...). Das Bier wurde wieder mitgenommen und durch kaltes ersetzt. Nun kommt aber die Zeit, da der Deutsche wieder kaltes Bier braucht. Zwei Flaschen für zwei Leute ist ja nun mehr als knapp bemessen. Dongdongs Auftritt. Die Antwort vom Kellner: "In fünf Minuten... ". "Wie in fünf Minuten? Jetzt man!". Wohl oder übel musste der Kellner nun zwei kalte Flaschen Bier bringen. Selbst ich als Deutscher habe gemerkt, dass der Typ sehr nervös war, als er mit den bereits offenen Flaschen ankam. Und selbst ich habe gemerkt: Der Bengel dreht uns grad die Flaschen von vorhin an, die die einfach in den Kühlschrank gestellt haben... Man muss kein Chinesisch können um die Situation zu lesen... Solche Füchse...
Dongdong wollte es sich auch partout nicht nehmen lassen, für alle zu bezahlen - als Abschiedsgeschenk. Fand ich ja wirklich nett, wäre aber doch nicht nötig gewesen :D "Dafür lädst du mich dann zum Essen ein, wenn ich nach Deutschland komme" hat er gesagt. Na klar, wird gemacht. Wir gehen richtig schick Chinesisch essen :D:D
Das Restaurant wurde zunehmens voller und sehr laut. Zum Glück waren wir fertig mit essen. Was nun? Der Abend ist ja noch jung. Klar, der Deutsche meinte, wir sollten in eine Kneipe. Kneipen sind überaus selten in China - ist nicht so deren Ding. Ich bin auch hunderprozentig davon überzeugt, dass Chinesen in ihrer Erziehung zum Punkt Kneipe folgendes lernen:
Kneipe; dunkler, verrauchter Ort an dem nur Besoffene, Raucher oder besoffene Raucher anzutreffen sind, die dort Drogen nehmen. Die meiste Kriminalität entspringt den Kneipen. Kneipen sind heruntergekommen und böse.
Im Prinzip stimmt das ja auch... muss man ja zugeben. Insbesondere diese Kneipe war nun ein Prachtexemplar. So eine räudige Spelunke habe ich noch nie erlebt. Aber egal, erstmal ein Plätzchen suchen. Wie wäre es dort, unter der Nordkoreaflagge? Ich habe auch Dongdong gefragt, wie ich jeden Chinesen frage: "Sag mal, was hältst du von Nordkorea?" Die Antwort: "Nordkorea ist ein nicht ganz so öffentliches Land". Das trifft den Nagel auf den Kopf. Das ist Nordkoreas Markenzeichen.
In der Kneipe haben wir Bier bestellt. Ein Dreiliterglas.
Da stand sogar drauf "Germans are everywhere - 'Hallo'". Keine Ahnung, ob die wusste, dass wir aus Deutschland kommen oder ob irgendjemand das Glas beschmiert hat und die das nicht ausgewaschen haben - aber es war ja schon sympathisch. Nur, musste das wirklich in so einer runtergekommenen Bruchbude sein, in der überall mit Eddings rumgeschmiert wurde? :D Es waren aber zumindest auch viele Chinesen dort. Das Verhältnis von Chinesen zu Europäern war zwar unterdurchschnittlich, aber das führe ich auf die Erziehung zurück.
Dongdong wurde nun auch noch beigebracht, wie er Tequila zu trinken habe. Er lernt ja gerne - und viel :D
Nun wurde auch noch vorgeschlagen, die Location ein weiteres Mal zu wechseln. Jemand kennt irgendjemanden, der irgendjemanden kennt, der Freigetränke im Club hat. Na dann: Auf gehts. Dongdong musst ja noch lernen wie Clubs von Innen aussehen und wie man Wodka trinkt. Wir haben uns dort aber nicht so lange aufgehalten. Dongdong und ich haben uns gegen 0000 von den anderen abgeseilt und sind Richtung Tongji gefahren. War ein schöner Abend - um 0100 war ich auch im Bett. Immerhin noch 4,5 Stunden Schlaf. Damit ich das Aufstehen auch nicht verpasse, habe ich auch gleich vier Wecker im Abstand von acht Minuten gestellt.
Nunja, ich denke, ich habe genug von meinem Tag geschrieben...
Kein Problem - habe ja DAPER etc. geschafft :D
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