Freitag, 1. August 2014

Sieben Tage in Tibet

Ich bin zwar nicht Brett Pitt, aber dafür darf ich im Gegensatz zu ihm auch nochmal nach Tibet. So geht zumindest die Legende. Wusstet ihr eigentlich schon, dass das "Jabadabadu" von Fred Feuerstein Tibetisch (lt. Duden gibt es zwar tibetanisch, aber nicht Tibetanisch :( ) ist? Heißt so viel wie "sehr sehr gut".
Kleiner Reminder wo wir hier überhaupt sind...



Was gibt es sonst noch aus Tibet zu ertellen? Z.B. dass die Bevölkerung einfach ma nochn Stück ärmer ist, als sonstwo. Die Gruppenchinesin hatte sich schon nach einigen Stunden über unseren Reiseleiter beschwert... Dafür dass die schon 20 Jahre in Kanada gelebt haben will, hatse aber äußerst schlechtes Englisch gesprochen. Bei einem der vielen Armeeposten (bei denen man notgedrungen seinen Reisepass zeigen muss), begab es sich, dass der Gefreite ihren Pass musterte und sagte: "Oh, Kanadierin" - Ihre Antwort: "Ne, Chinesin". Alles natürlich auf Chinesisch, die Frau hat sich ja auch größtenteils verweigert, Englisch zu sprechen. Vermutlich, weil wir die Fragen nicht mitbekommen sollten. Dumm nur, dass die Malaysier das natürlich verstanden haben und dann mal erzählt haben, was da für Fragen kommen. Z.B. "Reiseleiter, wieso sieht der Berg denn aus wie ein Mensch?" oder "Reiseleiter, wieso riecht das hier so komisch?"...
Beschwerden hatten vor allem folgenden Inhalt: "Wir haben zu wenig Programm" - wir waren ja schon um 1630 auf uns allein gestellt (jeder andere nutzte die Zeit, um die Stadt zu erkunden...) oder: "Der Reiseleiter erzählt zu wenig"; die ganzen chinesischen Reiseleiter, die da rumrennen, würden ja viel mehr erzählen. Meine Meinung dazu: Ich will ehrlich gesagt nicht meine Zeit vor jedem zweiten Bild verschwenden, wo mich irgendein Typ mit der Lebensgeschichte vom Neffen der Tochter des Freunds des Malers, den er mal auf einer Rikschafahrt in Lhasa kennengelernt hat, zusülzt.

Wenn die Tante also lieber mit den Chinokeln unterwegs sein möchte, hätte sie ja nicht Kanadierin werden müssen. Berechtigt war allerdings die Kritik über den erhöhten Preis - da gebe ich ihr uneingeschränkt recht. Schweinerei - merkst selbst, dass es deine Wunschkultur ist, ne? Getroffene Hunde bellen nunmal - schön dass endlich auch mal Chinesen am eigenen Leib erfahren, dass ihr verhalten nicht immer so wunderbar ist. Aber eigentlich hatte sie das Geld ja nicht so nötig - Armani-Anzüge seien bei ihr Zuhause ja gängig und das $500-Pro-Nacht-Hotel in Kanada konnte sie sich ja auch leisten. Das erste was allerdings aus dem Hotelzimmer - bei Ankunft - verschwunden ist, war aber das Klopapier - wohin? Na in die Tasche natürlich... So zumindest ihre Zimmergenossin. Das Frühstücksbuffet hatse wohl auch nicht wie gedacht genutzt. Während alle anderen gegessen haben, hat sie sich den ganzen Kram immer eingesteckt...

Genug vom schwarzen Schaf - gibt ja noch interessantere Dinge. Die Sache hat allerdings ein Ziegenfüßlein: Dieses hier:



Ich weiß echt nicht, wieso mich die vier Mönche im Durchschnittsalter > 120 ausgelacht haben, als ich das Ding fotografiert hab - als wärs normal, wenn sowas aufm Weg liegt... Das sollte auch nicht das letzte Mal sein, dass ich sowas gesehen habe...

Wirklich interessanter war die Tatsache, dass ich nachts mal ausgebüchst bin um den Potala-Palast zu fotografieren. Mit Sack und Pack also zum Palast gelaufen (war nicht weit vom Hotel) und BAM: eine Million Fotografen - alle besser ausgerüstet als ich. Puuh, habe ich mich gedacht, Glück gehabt, dass die Idioten nur den Springbrunnen vor dem Palast fotografieren wollen. Der ist wohl jeden Abend um 2030 oder 2100 für ne halbe Stunde an - mit Licht, ultralautem Sound und Shit - total typisch chinesischer Bullshit halt. Zum Glück hats geregnet und die sind alle einsfixdrei abgehauen. Der Nachteil: Meine Fotos sind nicht so bombe geworden.





Eine Story ausm Chinarestaurant in Tibet: Wir wollten was essen (oh shit!) und sind wie immer eine Straße lang gegangen. Ne ältere Frau hat uns ins Restaurant gewunken und gemeint, wir sollen da essen. Gesagt, getan.
Essen bestellen bei der jüngeren Kellnerin:
"Ich hätte gerne das, er das und der andere Dumplings - dazu bitte ein Lhasa-Bier, kalt."
"Dumplings haben wir nicht - eigentlich haben wir nur die obere Hälfte der Karte - und bitte nur eine Sorte Essen bestellen"
Die Alte kam hinzu:
- die Bestellung wiederholt -
"Bitte nur ein Gericht bestellen! Kaltes Bier haben wir nicht - guck mal raus, ist kalt genug draußen - du brauchst kein kaltes Bier"
Wir haben uns dann auf zwei verschiedene Gerichte geeinigt:
"Na dann Dumplings und das andere - dann kein Bier"
Das Essen kam: Die Suppe ohne Dumplings (also eigentlich Abfall) - warmes Bier dazu.
Ich: "Ne, das Bier ist warm - ich hab auch gesagt, wir wollen kein Bier"
Sie zurück in die Küche.
Zwei Minuten später, klatschnasse Flasche in der Hand, Etikett halb ab: "Hier fühl, ist kalt"
"Das ist dieselbe Flasche, die du gerade unter den Wasserhahn gehalten hast, veräppel mich nicht - die ist drinnen noch warm."
Zwei weitere Minuten später: Nässere Flasche, Etikett nur noch ein viertel dran: "Jetzt ist wirklich kalt"
"Lass es mich nochmal auf allen drei Sprachen wiederholen: "ICH MÖCHTE DAS BIER NICHT - NEIN, NEIN, NEIN"


 
Endlich hatses kapiert - son Reinfall - Essen war natürlich auch nich toll... Aber uns reinwinken... Kommt davon, wenn man in ein Chinarestaurant in Tibet geht...

Ein anderer Ausdruck der Armut ist das penetrante Gebettel (nicht Gebattle) und das Verlangen von Geld für jeden Mist:
Irgendein Berg, zu dem Touristen zwecks Fotos gekarrt werden. Ein Haufen Tibeter in traditioneller (oder einfach nur typischer) Kleidung - drängen sich auf jedes Bild und verlangen Cash. Man muss denen auch echt immer erst dreimal erklären, dass die aus dem Foto verschwinden sollen und ich keinen Wert auf die lege. Verlangen allerdings auch Geld, wennse nicht auf dem Foto sind...
Anderes Ding: Ein See, zu dem - oh Wunder - Touristen gekarrt werden, um Fotos zu machen. Da gibts wieder Tibeter, diesmal mit Tieren. Große Hunde, kleine Ziegen, ein Yak. Andere haben sich zum Hund gestellt und schon sollte man 5RMB pro Foto zahlen. Ich habe mal das Yak fotografiert - sofort kam der Typ an und meinte, ich solle jetzt zahlen (zum Glück war ich gerade zu beschäftigt... mit Fotografieren... des Yaks... [naja, die andere Richtung, die Situation wird aber klar]). Noch besser: Jemand hat in den See gepillert (ich sag nicht, dass es der Franzose war...) - ratet mal was passiert ist: Der Yakbesitzer hat gemeint: Money, Money...
Hier hilft es, einfach ein Teleobjektiv mit dabei zu haben... *hust, hust* - ich hab einfach mal den ganzen Zoo fotografiert...

Da haben wir den dressierten Hund:



Den bösen Löwen:



Das kostenlose Yak:



Und die misstrauische Ziege:



Erinnert an:



(Man kann sich natürlich auch auf den Standpunkt stellen und sagen: Is doch kein Geld, bezahls doch einfach; Supporte die Bevölkerung und so. Klar - aber is ja auch keine Leistung, für die ich bezahlen müsste; insbesondere wenns eigentlich illegal ist...)



Unsere Reise schloss damit ab, dass unsere Gruppe - fast geschlossen - Essen ging. Fast geschlossen meint, dass wir einen Deutschen aus der anderen Gruppe gegen unser Schwarzes Schaf ausgetauscht haben. Rooftoprestaurant mit Yakburger, Yakmomos (sone Art Yakmaultauschen), Yaktee, Lhasabier, etc. War wirklich schön!
Am nächsten Tag sah man sich teilweise beim Frühstück und ist dann zum Flughafen oder Bahnhof aufgebrochen - mein Flug hatte leider Verspätung... Das positive ist, dass ich mein Buch (In Stahlgewittern von Ernst Jünger) fertig gelesen habe. Das neue, aktuelle Buch habe ich auch gleich zur Hälfte gelesen... Apropos Ernst Jünger: Der Australier hat mich gefragt, ob das unsere Schreibweise von Ernest Young wäre - ich hab ihm erzählt, dass das eher ein Ernest Younger wäre - der hat echt gedacht, wir würden Namen übersetzen.... Gut, als wir die Gräber der Dalai Lamas im Potala-Palast gesehen haben, hat er mich auch allen Ernstes gefragt, ob wir eigentlich ein Grab für Hitler hätten... Leute trifft man...

Zum Schluss noch ein paar weitere "einfach so Fotos"
Zuerst: Die haben da auch Grün in Tibet:



Sieht nicht alles immer so aus:



Bisschen Gebäude:





Bisschen Bergzeug:




Das beendet meine Ausführungen :D
In diesem Sinne:

1 Kommentar:

  1. Also nun krikele ich auch mal wieder meinen Senf dazu. Mit Spannung, wissbegierig und gut amüsiert habe ich alle bisherigen Posts (nennt man das so?) gelesen, ja regelrecht in mich hineingesogen. Ich bin einfach begeistert, wie Du Deine wirklich tollen Erlebnisse beschreibst und kommentierst. Die Fotos unterstreichen das sehr anschaulich, wie es Dir ergeht. Essen oder nicht essen - ja ja über Geschmack streiten lohnt sich auch hier nimmermehr - das ist von Dir oft bildhaft entschieden worden und läßt mich über meinen eigenen Tellerrand sehen. Viele Sehenswürdigkeiten Chinas lerne ich über Dich kennen. Und nun TIBET - wow. Da schwinden schon einige Illusionen, interessant ist es allemal! Höhenluft also nicht gerade zum Abheben auf Höchstleistungen? Apropos: wozu unser mitteleuropäischer Hochdünkel doch so führt: Gib ruhig ein paar "Pfennige", die leben davon. Das Bier schmeckt dann nochmal so gut.

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