Laut wikitravel.org steht wohl in den Grundschulbüchern "Guilin ist die schönste Gegend der Welt" - ja, ne - eher nicht so... Klar, die Landschaft ist schon schön und es gibt auch schöne Ecken, zumindest am chinesischen Durchschnitt gemessen, aber mein Eindruck war ein anderer.
Irgendjemand hat mir mal gesagt, dass Mai die schönste Zeit sei, nach Guilin zu kommen - denjenigen werde ich nochmal aufsuchen müssen und ein ernstes Wörtchen mit ihm reden. Das Wetter hat schon Tage, sogar Wochen, vor dem Abflug gesagt, dass es lieber die nächsten Wochen regnen sollte. Klasse, geht ja gut los - Flug gebucht, Unterkunft besorgt und dann tagelanger Regen? Zum Glück ist hier der Wetterdienst nicht sooo zuverlässig. Also nicht, dass es nicht auch geregnet hätte, aber bei weitem nicht so schlimm, wie die Bilder meines Handys es suggerierten. Endlich mal eine gute Sache an der Ungenauigkeit der im Westen geläufigen Dienste. Das Gegenstück bildet da natürlich GoogleMaps - dazu aber später mehr.
Ich bin hier also am KWL angekommen - Guilin Flughafen halt - und musste erstmal einen Bus nach Downtown organisieren. Dabei habe ich eine Schweizerin getroffen - zum Glück war das auch das letzte Mal, dass ich die gesehen habe :D Wer Schweizer kennt, der weiß, was ich meine...
Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, fing es auch direkt mit den Schauern an... Also Regen - sonst war noch nichts schauerlich. Ok, das Wetter war schauerlich warm...
Wenigstens war ich schonmal die 40 Autominuten vom Flughafen weg. Da ich ja bestens vorbereitet war, habe ich meinen Regenschirm ausgepackt und bin einfach mal in eine Richtung gelaufen, in der Hoffnung eine richtige Bushaltestelle zu finden. Dass die nur 20m in die andere Richtung lag, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Ich habe es lieber vorgezogen, nach einem Kilometer ein Taxi zu nehmen :D
Das hat mich auch so ungefähr da hin gebracht, wo ich hin wollte - nicht zum Hostel, aber in die Nähe. Auf der Karte sah der Weg ganz leicht aus. Über die Brücke, am Hotel vorbei, und dann auf der rechten Seite. Bumms. Erstmal die falsche Brücke genommen (dank des Taxis...) und dann wurde ich schon vom Hostel angerufen, wo ich denn bliebe. Der Mann hat gesagt, ich könne doch einfach ein Taxi nehmen... Klar, ich bin gerade erst aus einem ausgestiegen und in der Nähe... Ich habe lieber gefragt, ob ich nach Norden oder Süden muss - am Fluss war ich ja schließlich schon. Nach Norden also. Das habe ich auch gemacht. Schön mitten in der Nacht am Ufer des Flusses nach Norden. Zum Glück war das Ufer beleuchtet - mit grünen und gelben Strahlern, die direkt in die Augen der am Ufer spazierenden Passanten gerichtet waren. Ich war also mehr mit Hände vor die Augen halten beschäftigt, als mit allem anderen... Das ist die Kehrseite des chinesischen Beleuchtungswahns.
Aus der Entfernung siehts aber dafür nicht schlecht aus, oder?
So weiter gehts - das Hostel ist auch nicht gerade gut ausgeschildert. Ich hatte zwar eine Hausnummer, aber es gab kein zugehöriges Haus. Als ich dann irgendwann an immer größeren Nummern vorbeigekommen bin, habe ich mich dann doch irgendwann gefragt, ob das noch kommt (was jetzt auch nicht sooo ungewöhnlich wäre). Im Endeffekt war ich zu weit gelaufen - ich war ja fast wieder bei meiner Ausgangsposition - der falschen Brücke :D
Irgendwann war dann klar: Das Ding liegt gar nicht an der Straße selbst, sondern an sonem Nebenweg - ist zwar Leuchtreklame dran (wie an jedem zweiten Haus in China), aber eben nichts, was auf ein Hostel schließen lassen könnte - schon gar nicht der englische Name (der offensichtlich auch überhaupt nichts mit dem chinesischen zu tun hat - wieso macht man sowas??) - wieso benennt man die Dinger denn überhaupt anders? Da habt ihr Horstis mit euerm Pinyin schon ne offizielle Transkription dieser Zeichen und dann denkt ihr euch immer irgendwelche Namen aus - was soll das?!
Dann bin ich aber angekommen und konnte nach einer dringend benötigten Dusche ins wohlverdiente Bettchen. Hier ist es ja wesentlich wärmer und vor allem feuchter - ist ja auch wesentlich südlicher als - naja eigentlich südlicher als alles, was ich bisher in China gesehen habe...
Seiten wie wikitravel.org geben allerhand Vorschläge zu Ausflügen und Attraktionen. Manchmal frage ich mich, was für Leute da Sachen reinschreiben. Bestes Beispiel: Daxu. Das ist eine kurze Geschichte, die ich trotzdem in einen eigenen Artikel verfrachte.
In Guilin habe ich folgende Attraktionen besucht:
Diecai Hill/Folded Brocade Hill
Seven Star Park
Moon and Sun Pagoda
Xiongsen Bear and Tiger Mountain Village
Die Idee, einen Berg zu besteigen, um sich mal einen Überblick zu verschaffen, ist so alt wie gut. Dumm nur, wenn das Wetter nicht mitspielt. Der Mai bringt nämlich nicht nur Regen sondern auch klare Sicht auf 5m und alles weiter entfernte verschwindet im Dunst. Zumindest bin ich mir hier sehr sicher, dass es wirklich Dunst ist und nicht etwas Abgase oder ähnliches. Warum? Das ganze sah andernorts genauso aus - und das waren Orte, die in der Nähe waren, in denen aber mitnichten Verkehr herrschte. Später auch dazu mehr.
Der Hügel ist ehrlich gesagt aber nicht der Rede wert. Und wie bei allem, was nicht der Rede wert ist, ist es auch nicht ungewöhnlich, nochmal Kapital daraus schlagen zu wollen... Immerhin gibt es Studentenrabatt - 35RMB ist jetzt vergleichsweise wenig - aber man bekommt auch genauso viel.
Anschließend wollte ich zum Seven Star Park. Und der ist wirklich unverschämt! Erstmal den übelsten Eintritt von 70RMB und dann noch für jede Extraattraktion im Innern extra zahlen. Als die für den Zoo auch nochmal 70RMB haben wollten, bin ich ausgestiegen - kann ja wohl nicht wahr sein! Der Park geht auch nicht wesentlich chinesischer. Viel künstlich angelegter Kram, Fahrgeschäfte, Laser Tag, Gedudel an allen Ecken und Enden und natürlich ein Haufen Touristen - letzteres ist aber meine eigene Schuld - Sonntags macht man einfach keine Ausflüge! Nie! Niemals! Wenn ihr hier irgendwas mitnehmt, dann bitte, dass ihr Sonntags nicht zu Touriattraktionen fahrt!
Ich hab da auch wieder eins, zwei Hügel bestiegen und bin dann auch wieder gegangen. Da ist zwar noch die Seven Star Cave, aber die kostet auch extra und so sehr bocken mich Höhlen auch nicht an. Zumal ich schon gesehen habe, dass man da keine Erwartungen stellen kann. Kitschige Beleuchtung, bestimmt ne Menge Sound und ein Haufen Leute - nein danke.
Ich bin lieber in die Fußgängerzone gegangen - Kaffeepause. Ich muss mir nämlich die Zeit vertreiben, bis es dunkel wird - ich will Fotos von den Mond- und Sonnenpagoden machen. Aus der Kaffeepause wurde eine Bierpause. Ich bin an einem Dingsbums vorbeigekommen und der Typ hat mich gefragt, ob ich ein Bier trinken wollte. Auf die Frage, wie teuer das denn sein sollte, kam 20RMB (~2,40EUR). Protestierend bin ich von dannen gezogen; aber dann kam schon: Ok, 15RMB - na damit kann ich leben. Ist zwar noch zu teuer, aber ich habe eine weitere Rabattschlacht gewonnen (auch wenn das Bier im Laden nichtmal ein Drittel kostet...) Gastronomiegewerbe eben... Versucht das aber mal Zuhause!
Die Pagoden waren wirklich gut. Ich habe auch mal ein Foto gemacht. Also "gut" ist jetzt auch übertrieben. Ich bin auf alle Fälle zufrieden, da ich ja nur wegen der Fotos da hin gegangen bin. Das ganze ist wie immer beleuchtet und überrannt. Überall Chinesen - generell sind hier sehr viele Chinesen und sehr wenige Ausländer - scheint ein Geheimtipp zu sein. Oder es gibt einfach wichtigere Ziele, die der Europäer von Welt auf seiner zehntägigen Dreitausendfünfhunderteuroreise sehen möchte.
Und nun noch der Bericht zum Xiongsendingsbums:
Unglaublich. Mein erster Eindruck: Sieht aus wie Tschernobyl '86. Ohne Scheiss.

Das Gelände sieht aus als hätte man vor 30 Jahren aufgehört da was zu machen und dann einfach Tiere da eingesperrt. Jetzt weiß ich aber auch, wie ich mir Nordkorea vorzustellen habe - ich hatte nämlich die ganze Zeit über zwei Begleiter dabei, die penibel darauf geachtet haben, dass ich keine Fotos mache. Offiziell natürlich, damit ich keine "Copyrights" verletzen kann. Das Verbot gilt aber nur für Ausländer - stehen überall Schilder rum, dass es "Internationals" nicht erlaubt sei, zu fotografieren. Warum? Weil es einfach so bescheiden aussieht und die äußerst unsozial mit den Tieren umgehen. Normalerweise findet da jeden Tag irgendsone Show statt, bei der ein Bär auf nem Motorrad auf nem Seil rumfährt - ohne Netz. Oder die ergötzen sich daran, wie ein Tiger ein Kalb tötet. Da der das aber nie richtig gelernt hat, weil er ja in sonem räudigen Park eingesperrt und nicht im natürlichen Lebensraum groß geworden ist, kann der das ja nicht richtig. Der verletzt das Tier also einfach nur böse. Aber ist ja nicht schlimm - wenn die Show vorbei ist, wird es vom Personal getötet. Ist doch pervers. Ich durfte zwar keine Fotos machen, aber der hier hat welche gemacht:
http://www.theguardian.com/world/gallery/2007/apr/13/1?picture=329777441
Das gute an dem Laden ist, dass es ne Menge Tiger und Bären gibt und die Gehege meistens größer als in Zoos sind. Dafür sind natürlich auch mehr Tiere in einem Gehege.
Dass diese Leute sich aber allen Ernstes erdreisten, an ihren Park zu schreiben "ALL OVER THE WORLD SHALL BE ORGANIZED AND MAKE THEIR GREAT CONTRIBUTION TO THE PROTECTION OF WILD ANIMALS" ist absolut unfassbar - da geht mir ja das Messer inner Tasche auf (gleich zweimal, denn das erste mal schon wegen der Grammatik). Ich bin echt nicht son Ökospinner der keine Tiere isst, weil sie getötet wurden, aber das reicht ja wohl wirklich.
Und dann wollen die wohl offensichtlich jetzt endlich mal das Verbot des Verkaufs von Tigerprodukten aushebeln - war ja lange genug verboten. Die wissen schon ganz genau, dass die da was falsch machen - sonst würden sie uns das Fotografieren ja nicht verbieten. Copyrights - darauf kann man sich berufen, wenn man nicht gleich alles stiehlt und kopiert, was nicht niet- und nagelfest ist.
Der Laden ist einfach nur ein nordkoreanisches Pripyat mit Tieren innerhalb Chinas.
(Der Eindruck kann aber auch am echt schlechten Wetter gelegen haben) - ich war übrigens auch der einzige da. Nur als ich rausging, kamen zwei chinesische Familien. Ist ja auch nicht Sonntag :D
Generell verbinde ich Guilin eigentlich nur mit dem Geruch von Abgasen und einer Menge hässlicher Ecken - aber die Landschaft außen rum ist sehr schön. Sehr, sehr viel Grün, viele Berge - ist fast wie Korea.
So was werden wir uns nicht anschauen. Die Tiere sind echt arm dran :(
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